Virtuelle Arbeit

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„Zwölf Jahre hatte ich investiert, um meinen Avatar zum Stärksten von allen zu machen. Spaß machte mir das Spiel schon lange nicht mehr, ich wollte nur einfach der Beste sein, bis ich erkannte, dass meine persönliche Entwicklung auf der Strecke geblieben war.“

~ Ex-WoW-Spieler über Virtuelle Arbeit


Der Terminus Virtuelle Arbeit beschreibt den Übergangszustand zwischen Spiel und Arbeit, wenn ein (Computer-)Spiel beginnt in Arbeit auszuarten und fortan nicht mehr der Spielspaß im Vordergrund steht, sondern das Erreichen eines festgelegten Zieles, motiviert durch Ehrgeiz. Für das erfolgreiche Erreichen dieses Zieles wird eine virtuelle Trophäe verliehen, in Form von einigen geänderten Bits in einer Datei[1], welche auch durch Manipulation hätten geändert werden können (Wertlosigkeit der Trophäe[2]).


[Bearbeiten] Definitionen

Um eingrenzen zu können, wo virtuelle Arbeit beginnt, müssen zunächst die Begriffe Spiel und Arbeit näher definiert werden.

[Bearbeiten] Spiel

Eine weithin anerkannte Definition für Spiel stammt von dem niederländischen Kulturanthropologen Johan Huizinga. In seinem Hauptwerk Homo ludens schreibt er:
„Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“

~ Huizinga, 1938/1991, S. 37 über Spiel


Im Umkehrschluss sind Tätigkeiten eines Menschen oder eines Tieres kein Spiel sondern ernst, wenn sie erzwungen oder zweckgebunden sind, das heißt unmittelbar der Existenzsicherung, Pflichterfüllung, Suchtbefriedigung, Schadensabwendung oder Schmerzvermeidung dienen.

[Bearbeiten] Arbeit

Aus einer Vielzahl von Definitionen zum Begriff Arbeit sei hier Karl Marx (siehe Das Kapital, Band I, 1. Kapitel) zitiert:

„Alle Arbeit ist ... Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“

Arbeit an sich ist also immer ein Aufwand an menschlicher (Lebens-)Energie und (Lebens-)Zeit, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen (Existenzsicherung, Bau eines Hauses etc.).

[Bearbeiten] Ausprägung

Speicher.jpg

Vorher-Nachher-Abbild des Arbeitsspeichers: Nach stundenlanger virtueller Arbeit haben im Speicher des Computers ganze vier Bits ihren Wert geändert, na das hat sich ja mal gelohnt!

  • Virtuelle Arbeit ist gleichfalls wie reale Arbeit ein Aufwand an Zeit und Energie, allerdings wird durch sie kein Gebrauchswert geschaffen, sondern es werden lediglich Ressourcen(Strom, Nahrung) verbraucht.
  • Virtuelle Arbeit ist aber auch, ähnlich dem Spiel, eine freiwillige Handlung, die einem reglementiertem Ablauf folgt, allerdings ohne dabei Freude, sondern im Gegenteil Stress zu generieren.

Virtuelle Arbeit ist also anstrengend und freudlos, ohne auch nur den geringsten Nutzen zu generieren und ist demnach das Blödeste überhaupt, was ein Mensch mit seiner Freizeit anfangen kann. Während andere ihre Zeit und Energie darauf verwandt haben um z.B. Karate oder eine Fremdsprache zu erlernen, hat der virtuelle Arbeit leistende Spieler keinen persönlichen Fortschritt erzielt, fühlt sich aber trotzdem ausgepowert.

Manche Konsolenspiele verlangen vom Spieler, dass er lernt bunte Knöpfchen zu drücken wie ein dressierter Affe, um den virtuellen Streetfighter zum Sieg zu führen oder um bei GuitarHero ein imaginäres Publikum anzuheizen. Wie nutzlos diese erlernten Fähigkeiten sind, stellt er spätestens dann fest, wenn er in eine echte Schlägerei gerät oder auf einer echten Gitarre spielen soll.

[Bearbeiten] Gefahrenhinweis

Folgende Computerspiele haben ein hohes Potential dafür, in Virtuelle Arbeit auszuarten:

  • Tomb Raider - Stundenlanges Rumgehüpfe und -gehangel auf der Suche nach dem letzten Jadedrachen. Wenn man alle hat, gibt's Lara Croft angeblich auch mal nackt zu sehen. Ja toll! Ein nackter Pixelhaufen, uuuuuuh!
  • Civilisation & Co. - Endloses Rumgeschicke von Einheiten und Treffen von politischen Entscheidungen. Was anfangs noch Spaß machte, artet definitiv bald in Arbeit aus. Echte Politiker kriegen Geld für sowas...
  • SPORE - anfangs spaßig, aber spätestens in Phase 4 will jedes Haus und jedes Fahrzeug eigens erstellt werden mit unzähligen Variationsmöglichkeiten. Nach erfolgreicher Plackerei, darf man dann die Früchte seiner virtuellen Arbeit im Internet verschenken.

Man sollte sich also regelmäßig fragen: „Spielst du noch oder arbeitest du schon?“ Denn nur wenn das Spiel auch wirklich noch Spaß macht, ist die investierte Zeit nicht vergeudet.

[Bearbeiten] Gegenanzeigen

Nicht jede Arbeit mit Computern ist gleich bereits virtuelle Arbeit, solange die Anstrengung auch der Entwicklung persönlicher, im realen Leben anwendbarer Fertigkeiten dient. Dazu zählt das Verfassen von Texten für satirische Internetcommunities genauso wie die kreative Erstellung von Webseiten, Bild- und Tonbearbeitung etc. pp.

[Bearbeiten] Gesellschaftliche Auswirkungen

Die Tatsache, dass ein stetig wachsender Anteil der Bevölkerung seine Zeit mit virtueller Arbeit verbringt und neu erscheinende Computerspiele gezielt mit ihrem "Suchtfaktor" beworben werden, lässt vermuten, dass es

entweder ein marktwirtschaftlicher Effekt ist, dass zunehmend Spiele (vom wachsenden Heer der Arbeitsuchenden?) nachgefragt werden, die eine starke Tendenz zur virtuellen Arbeit aufweisen, (schließlich bietet Arbeit, egal ob virtuell oder reell, ein befriedigendes Gefühl des Gebrauchtwerdens)

oder eine gezielte Kampagne dahintersteckt, mit dem Ziel, die immer ärmer werdende Mittelschicht im Zaum zu halten und einzulullen, bis der Überwachungsstaat vollständig etabliert ist.

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Beispielweise wäre hier der neue Highscore zu nennen, lediglich bestehend aus einer abgespeicherten Zahl in einer Datei. Bei komplexeren Spielen sind in der Regel auch die Trophäen komplexer, wie z.B. der nach Wochen des Schlachtens und Umherziehens in WOW gefundene Ausrüstungsgegenstand (Item). Dieser besteht in der Realität wiederum nur aus gespeicherten Grafikdaten und seinem im Spiel bedeutsamen Attributen, letztlich auch nur gespeicherten Zahlen.
  2. Zwar werden auch im realen Leben wertlose Plastikpokale als Trophäe verliehen, doch erreicht die virtuelle Trophäe eine neue Qualität der Wertlosigkeit, indem sie jederzeit Opfer von Datenverlust und Manipulation werden kann.

[Bearbeiten] Siehe auch

Dieser Artikel ist Artikel der Woche 37/2008
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