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Kiew (Ukraine), 04.05.2012: Die Anstrengungen, die Fußball-Europameisterschaft 2012 doch noch der Ukraine zu entreißen und nach Deutschland (also nach Hause) zu holen, verlaufen soweit planmäßig. Noch-Wirtschaftsminister Philipp Rösler bezeichnete es heute als wirtschaftlich besonders gelungenen Streich, dass man zuerst ein paar fette Aufträge für deutsche Großunternehmen an Land gezogen habe und die Ukraine anschließend auf den leeren, von Siemens mit gebauten Stadien sitzen lassen könne. „Das ist einfach elegant gemacht“ erklärte Rösler, „wenn jetzt die halbe EM doch noch nach Deutschland kommt, verdienen wir doppelt“. Wenn man jetzt auch noch Polen ein bisschen am Zeug flicken könnte, wäre das geradezu das Sahnehäubchen.

Nachdem die 27 EU-Kommissare gestern einmütig beschlossen hatten, der EM in der Ukraine fernzubleiben, gilt die Austragung dort als gescheitert. Experten sind der Ansicht, dass der Ausrichter den Ausfall dieser 27 Zuschauer nicht wird verkraften können und die EM in den nächsten Tagen freiwillig zurückgibt. Ob in diesem Zuge auch Julia Timoschenko freikommt, ist noch unklar: bisher war als Kompromiss ja noch darüber verhandelt worden, ob sie während der EM von DFB-Medizinguru Müller-Wohlfahrt behandelt werden könnte, aber diese Lösung ist nun wohl hinfällig.

Da die Boykottaufrufe an dieser Stelle so einen durchschlagenden Erfolg hatten, wird das politische Druckmittel des Boykotts in nächster Zukunft wohl öfter zum Einsatz kommen. Anlässe gäbe es genug:

  • Dass auch China boykottiert werden muss, versteht sich angesichts der beschämenden Behandlung des Dissidenten Chen von selbst. Leider ahnte Angela Merkel kürzlich während der Hannovermesse noch nichts von den furchtbaren Menschenrechtsverletzungen in China, sonst hätte sie dem Messe-Partnerland und seinem Chef Hu Jintao mit Sicherheit die Leviten gelesen. Nun muss es also ein Boykott sein. Leider stehen keine größeren Sportereignisse an, also bleiben nur wirtschaftliche Druckmittel: VW und andere deutsche Autohersteller werden ab sofort keine Autos mehr nach China liefern! Nimm das, Schlitzauge!
  • Den Iran zu boykottieren, steht ja schon länger auf dem Programm. Keinen Tropfen Öl nehmen wir mehr von dem Verrückten aus Teheran! Aber wenn wir schon mal dabei sind, die Scheichs zu züchtigen, könnten wir eigentlich gleich die ganze Mineralölindustrie mit boykottieren. Wer schikaniert uns denn seit Jahren mit Wucherpreisen und erratischen Preiszuckungen? Daher wird in Deutschland in den Sommermonaten ein absoluter Tankboykott ausgerufen. Gerade zur Urlaubszeit, wenn die Tankwarte sabbernd vor Gier die Preisschraube anziehen, werden wir die Benzinmafia komplett austrocknen!
  • Ebenso wird es auch höchste Zeit, England einmal mit Boykottaufrufen zu überziehen. Die Weigerung der Engländer, an Rettungsschirmen und Stabilitätspakten teilzunehmen, muss schließlich auch einmal Konsequenzen haben (und bei dieser Gelegenheit könnte man sie auch für das schlechte Essen und das sture Festhalten am Linksverkehr abstrafen). Daher sind nicht nur die Olympischen Spiele in London zu boykottieren, sondern auch das Finale dahoam der Bayern gegen den FC Chelsea wird voraussichtlich abgesagt und durch ein Freundschaftsspiel gegen einen Verein aus einem Nichtboykottland ersetzt (evtl. Österreich, falls es dort ruhig bleibt).
  • Gegen Jahresende muss es dann auch noch einen Weihnachtsboykott geben. Es ist ein Unding, sich mit Geschenken und Krippenspielen zu zerstreuen, während im Heiligen Land immer noch Unfrieden herrscht. Setzen wir also ein Zeichen und lassen den Weihnachtsrummel ausfallen!

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