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München (Bayern), 12.02.2008: Der bayerische CSU-Vorsitzende Huber stößt mit seinen Äußerungen zu einer "Assimilierung" der in Deutschland lebenden Bayern weiter auf scharfe Kritik.

CDU-Sprecher Ronald Pofalla warf Huber eine Kampfansage an die deutsche Politik vor. Er sagte dem "Münchner Merkur": "Huber hat bayerischen Nationalismus auf deutschem Boden gepredigt. Das ist antieuropäisch und belegt unsere Bedenken hinsichtlich der Mitgliedschaft Bayerns in der EU". Huber habe dem deutsch-bayerischen Verhältnis und dem Zusammenleben schweren Schaden zugefügt: "Was Huber gesagt hat, war eine Aufforderung zur Abgrenzung und Abkapselung, also das Gegenteil von Integration."

Bayerische Kinder

Ohne Deutschkenntnisse haben bayerische Kinder in Deutschland furchtbare Integrationsprobleme. CSU-Chef Huber legt großen Wert darauf, dass Kinder rechtzeitig Deutsch lernen, warnt aber vor völliger Assimilierung.

Der bayerische Ministerpräsident Beckstein verteidigte Huber im "Tagesspiegel": "Assimilation abzulehnen steht doch nicht im Gegensatz zu Integration, im Gegenteil." Beckstein kritisierte indirekt die Bundeskanzlerin: "Viele Bayern hatten das Gefühl, dass ihnen endlich ein Regierungschef zuhört. Das hätte auch Frau Merkel tun können."

Die Bundesintegrationsbeauftragte Maria Böhmer rief zur Mäßigung in der Debatte über Integration auf. "Wir müssen hier Klartext miteinander reden, aber wir müssen es in unaufgeregter Weise tun", sagte sie im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach hatte die bayerische Regierung davor gewarnt, sich in die deutsche Innenpolitik einzumischen. "Für das Zusammenleben in Deutschland ist die deutsche Politik zuständig", sagte Bosbach der "Westdeutschen Zeitung". Hubers Besuch in Deutschland bewertete Bosbach dennoch als "eher positiv".

Zur Forderung Hubers nach bayerischsprachigen Schulen und Universitäten in Deutschland sagte Merkel, sie habe keine Einwände gegen deutsch-bayerische Gymnasien und Bayrisch als Fremdsprache. Doch habe sie Vorbehalte, "dass bayerische Lehrer jetzt nach Deutschland kommen, um mit den hier lebenden bayerischstämmigen jungen Leuten Unterricht zu machen". Das dauerhafte Leben in einem Land bringe eine verstärkte Annahme von dessen Gewohnheiten mit sich. Integration setze die Bereitschaft voraus, "sich in die Lebensweise eines bestimmten Landes, in dem ich in der vierten, fünften, sechsten Generation lebe, auch hineinzufinden".

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte dazu auf Phoenix, er habe nichts gegen bayerische Schulen in Deutschland, wenn sie staatlich zertifiziert und überwacht würden. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte in der selben Sendung: "Nein, keine bayrischen Schulen, ja zu bilingualem Unterricht."

CDU-Sprecher Pofalla verschärfte dagegen seine Kritik an Hubers Forderung nach Einführung bayrischer Schulen in Deutschland. Dieser wolle "gemeinsame Werte verhindern" und, "dass auch in Deutschland geborene Bayern der zweiten und dritten Generation auf immer Bayern bleiben". Huber sprach von "einer Kampfansage an die Politik in Deutschland".

Huber hatte am Sonntag auf einer Kundgebung in München gesagt: "Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Dies könne niemand von den im Ausland lebenden Bayern verlangen. Zugleich betonte er aber auch, wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache sei.

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