Tagebuch

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„Ein harter Fleck im Badetuch
sagt mehr, als manches Tagebuch“

~ deutsches Sprichwort


Als Tagebuch bezeichnet man papier- oder computergestützte, chronologische Aufzeichnungen eines Menschen über sein Leben. Analphabeten benutzen für ihre autobiographischen Aufzeichnungen Diktiergeräte oder Ghostwriter.

[Bearbeiten] Typologie

Je nach psychologischer Veranlagung des Tagebuchschreibers variieren die für diesen Artikel miteinander verglichenen Tagebuchaufzeichnungen erheblich untereinander.

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  • Einsame Menschen benutzen ihr Tagebuch als einzigen Gesprächspartner und vertrauen ihm Dinge an, die sie sonst mit niemandem teilen können. Das können Aufzeichnungen über die eigenen Minderwertigkeitskomplexe ebenso sein, wie seltsame sexuelle Phantasien, Träume, suizidale Gedanken oder intime Details über Krankheiten, Missetaten und sonstige Fehltritte.
  • Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und befürchten müssen, dass ihr Tagebuch spätestens nach ihrem Ableben an die Weltöffentlichkeit gelangt, verwenden ihr Tagebuch für geschönte und vorab von ihnen selber zensierte Aufzeichnungen. Dabei unterstützen diese Aufzeichnungen das Bild, das der Prominente von sich zeichnen möchte, persönliche Fehltritte und Todsünden werden dabei soweit ausgespart, dass man dem Verfasser keinen Strick daraus drehen kann oder das Andenken an ihn dunkle Flecken bekäme. Berühmte Künstler hingegen vertrauen ihrem Tagebuch durchaus ihre persönliche Zerissenheit an und achten gewissenhaft darauf, dass ihr Tagebuch ihr ständiges Dilemma des Schöner Scheiterns wiederspiegelt.
  • Korrupte und kriminelle Menschen achten penibel darauf, dass sie ihre kriminellen Handlungen nicht in ihrem Tagebuch aufzeichnen, da sie sonst befürchten müssten, diese Aufzeichnungen würden bei laufenden Ermittlungen vom zuständigen Staatsanwalt gegen ihre Person verwendet werden. Dieses Phänomen kann besonders gut bei der lebenden Apotheke Jan Ullrich beobachtet werden, der seinem öffentlichen, als Tagebuch definierten Web-Blog nur Lügen und Euphemismen anvertraut. Insofern kann ein Tagebuch auch als Mittel zum Selbstbetrug und der Autosuggestion eingesetzt werden.
  • Romantische Menschen benutzen ihr Tagebuch als Chronik für ihren Seelenschmerz, der in den meisten Fällen aus Liebeskummer und Selbstmitleid resultiert. Der Schreibstil orientiert sich dabei häufig an Goethescher Lyrik und erzeugt beim Fremdleser nicht selten bewegte Anteilnahme und authentisches Mitgefühl, gelegentlich aber auch schallendes Gelächter sowie Häme und Spott.
  • Eitle Menschen und verhinderte Schriftsteller verwenden ihr Tagebuch dazu, möglichst künstlerische Wortkonstrukte aufzuschreiben. Dabei geht es ihnen weniger um den Inhalt ihrer Aufzeichnungen, als vielmehr um einen ausgefallenen, individuellen Schreibstil. Diese Personengruppe hofft geradezu, dass fremde Menschen ihr Tagebuch lesen, sie schreiben also nicht für sich selbst, sondern für ein imaginäres Publikum.
  • Alkoholiker verwenden ihre Aufzeichnungen dazu, Trinkmengen zu dokumentieren und alkoholbedingte Abstürze - soweit sie nicht durch einen Filmriss aus dem Gedächtnis getilgt wurden - zu beschreiben. In den meisten Fällen entsprechen die Aufzeichnungen der vernebelten Realität des Alkoholikers, im Endstadium seiner Krankheit werden aber zunehmend selbstbetrügerische Elemente in die Bekenntnisse eingewoben, da die Wahrheit für viele Betroffene zu schmerzhaft und drastisch erscheint und durch Lügen geschönt werden muss.

[Bearbeiten] Gefahren

So manche Ehe oder Beziehung wird vor ihrem natürlichen Ende dadurch zunichte gemacht, dass einer der beiden Beziehungspartner heimlich die Tagebuchaufzeichnungen des anderen studiert. Die dabei zutage kommenden Geheimnisse, verschwiegenen Seitensprünge, morbiden Phantasien, pädophile Bekenntnisse oder eklatanten Suchtprobleme versetzen den spionierenden Partner oftmals derart in Rage, dass der Gang zum Scheidungsanwalt oder die sofortige Beendigung der Beziehung daraus resultiert. Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn ein ständig zu früh kommender Ehemann aus dem Tagebuch seiner Frau erfährt, dass sie seit Jahren eine lesbische Beziehung zu seiner Schwester pflegt oder mit seinem besten Freund regelmäßige Liebesnächte im besten Hotel der Stadt verbringt.
Tagebücher sollten deshalb von ihren Verfassern in Tresoren oder Schließfächern aufbewahrt werden, um den schönen Schein zu wahren und die Wahrheit nur mit sich selbst zu teilen. Alternativ dazu können Tagebücher heutzutage auch in digitaler Form mithilfe eines Computers geführt werden, der passwortgeschützt eventuelle Spione und Fremdleser von ihrem frevelhaften Tun abhält. Diese Methode ist aber nicht wirklich sicher, da Festplatten problemlos von Fahndern und Staatsanwälten ausgelesen und damit die auf ihnen enthaltenen Geheimnisse freigesetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

[Bearbeiten] Sonderformen

[Bearbeiten] Doppelte Tagebuchführung

Es gibt Personen des öffentlichen Lebens, die dazu übergegangen sind, zwei Tagebücher zu führen. Das eine für persönliche, schonungslos der Wahrheit entsprechende Aufzeichnungen, das andere für zusammengelogene, geschichtsklitternde Notizen. Im Zuge der Recherchen für diesen Artikel fielen der Uncyclopedia-Redaktion die beiden Tagebücher des Bundeskanzlers Helmut Ich habe mein Wort gegeben Kohl aus der Zeit der CDU-Spendenaffäre in die Hände. Diese Aufzeichnungen wurden zum Behufe der Geschichtsentklitterung miteinander verglichen, hier ein exemplarischer Auszug:

[Bearbeiten] Tagebuch 1 (persönlich)

  • 18. April 1993
Heute rief Kalle (der Waffenhändler Karl-Heinz Schreiber - die Redaktion) bei meinem Schnuckelhäschen (die Kohl-Geliebte Juliane Weber - die Redaktion) an und lud mich für den Abend zum Essen ein. Ich wollte zwar eigentlich heute fasten, da ich mich gestern so mit Saumagen gemästet habe, aber die Geschäfte mit Kalle laufen schlecht und müssen angeschoben werden. Also habe ich unter der Bedingung zugesagt, dass er einen Koffer gewaschenen Geldes mit zum Gasthaus bringt. Bald ist wieder Wahlkampf und diesmal wird es schwer, da die Wiedervereinigung nicht so läuft, wie ich das geplant habe. Zwei Millionen Mark kriege ich noch von Thyssen, den Rest werde ich mir bei der Telekom besorgen, dafür kriegen die halt Steuererlass und dürfen mal auf Staatskosten ukrainische Nutten vögeln.
Hannelore wird immer lichtscheuer und hat heftige Depressionen. Jetzt hat ihr der Leisler-Kiep auch noch von Juliane und mir erzählt, er hat uns nämlich letzte Woche inflagranti unterm Schreibtisch in meinem Bonner Büro erwischt, als mein Häschen gerade meinen Kohl gesucht hat, tja, dumm gelaufen, jetzt weiß sie es. Ich glaube ich sollte ihr mal eine Höhensonne schenken, vielleicht kommt sie dann wieder auf hellere Gedanken.
Max Strauss rief noch an und fragte, ob er etwas Schwarzgeld auf einem unserer Auslandskonten parken darf, ich muss das erst mit Kiep besprechen, dürfte aber eigentlich kein Problem sein.

[Bearbeiten] Tagebuch 2 (öffentlich)

  • 18. April 1993
Karl-Heinz Schreiber rief heute bei Frau Weber an und bat um einen Gesprächstermin. Ich habe entschieden abgelehnt, dieser Mann ist nicht vertrauenwürdig und sollte sich von der CDU fernhalten. Die Wiedervereinigung, mein Lebenswerk, hat noch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, doch einige Landschaften sind schon erblüht und ich bin stolz darauf, ein Deutscher zu sein! Ich kümmere mich persönlich um viele deutsche Unternehmer und lege meine ganzen drei Zentner in die Waagschale, damit der Wirtschaftsminister mir diese Unternehmen nicht aus dem Lande ekelt. Ich habe vielen Unternehmern mein Ehrenwort gegeben, dass sie sich nicht vor der anstehenden Globalisierung fürchten müssen, solange ich Bundeskanzler bin.
Meiner Gattin Hannelore geht es prima, ich kümmere mich sehr um sie und habe ihr heute dunkle Vorhänge für unsere Stadtwohnung gekauft. Mit Max Strauss, der immer wieder bei Frau Weber anruft, um einen Gesprächstermin mit mir zu bekommen, möchte ich nichts mehr zu tun haben, irgend etwas stimmt mit diesem Mann nicht.

[Bearbeiten] Nachträgliche Tagebücher

Eine weitere Sonderform des Tagebuchs ist dasjenige Tagebuch, das nicht am betreffenden Tag, sondern erst später geschrieben wurde. Dies hat den Vorteil dass man dann bereits besser weiss, was im Tagebuch drinstehen sollte. Es wäre ja doch peinlich, wenn die Tagebucheintragungen, wenn sie denn mal an die Öffentlichkeit gelangen sollten, irgendwelchen zweifelsfrei erwiesenen Fakten widersprechen sollten.

Eine Extremform des nachträglichen Tagebuchs ist das postmortale Tagebuch. Dieses kann natürlich nicht vom bereits verstorbenen Autor selbst geschrieben werden, allenfalls kann er es aus dem Jenseits mittels eines Mediums diktieren. Der berühmteste Fall postmortaler Tagebücher waren die im Stern veröffentlichten Hitler-Tagebücher.

[Bearbeiten] Siehe auch

Dieser Artikel ist Artikel der Woche 52/2007
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