Servicewüste

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„Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag.“

~ Kundenbetreuer über sich der Theke nähernde Kunden

„Bei Problemen mit dem Internetanschluss benutzen Sie bitte unser Online-Formular“

~ auf der Webseite eines Internet-Providers


Servicewueste

Kein Service so weit das Auge reicht.

Die Servicewüste Deutschland ist die größte Servicewüste der Welt und daher der ganze Stolz der Nation. Sie bildet den natürlichen Lebensraum der Deutschen, die dort seit jeher ideale Lebensbedingungen vorfinden.

[Bearbeiten] Ausprägung und Ausdehnung

Innerhalb der Servicewüste sind die normalen Regeln der freundlichen und kompetenten Kundenberatung und -betreuung vollständig außer Kraft gesetzt. Hier ist nicht der Kunde, sondern der Verkäufer König. Kunden werden als lästiges Übel oder latenter Störfaktor des Mittagsschlafs Geschäftsbetriebs empfunden. Diese gilt es mit aller Kraft abzuwehren, was durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen meistens auch erreicht wird:

  • Öffnungszeiten nur von 12 bis Mittag
  • umständliche und langwierige Bearbeitung
  • in langen Kursen geschulte Inkompetenz und Frustrationsintoleranz des Personals
  • Beschwerdeformulare in der Größenordnung einer Einkommensteuererklärung

Dies entspricht der urdeutschen Mentalität, statt Menschen lieber Maschinen zu bedienen, die keine Extrawünsche stellen und bei Bedarf einfach aufs Maul abgestellt werden können.

Die Servicewüste Deutschland erstreckt sich praktisch durchgehend über das gesamte Bundesgebiet von Flensburg bis Garmisch und vom Oderbruch bis zu den kargen Böden der Voreifel. Sie dauert in den meisten Regionen von 8 bis 11:59 und von 14 bis Punkt 17:59 Uhr. In einigen Gegenden mit erhöhter Nachtaktivität der Bevölkerung ist sie sogar rund um die Uhr zu beobachten.

[Bearbeiten] Blüten

[Bearbeiten] DSL-Anbieter

Um Beschwerden über mangelhafte Produktleistungen wie langsame Verbindungen und andauernde Verbindungsabbrüche von vorneherein abzuwimmeln, verschanzt sich der DSL-Provider hinter komplizierten Online-Formularen, die ca. ein Drittel der Beschwerdewilligen so frustriert, dass sie lieber gleich den Anbieter wechseln. Telefon-Hotlines wurden entweder ganz abgeschafft oder sind so überteuert, dass der Kunde gezwungen ist, das Online-Formular, das nie irgendwo ankommt und auch nur selten beantwortet wird, auszufüllen. Sollte der Kunde Glück haben, wird sein Formular irgendwann tatsächlich von einem genervten, unterbezahlten Mitarbeiter des DSL-Anbieters überflogen und mit einer Standard-Antwort erledigt: „Sehr geehrter Kunde, Kenntnisse über Verbindungsstörungen liegen uns nicht vor, das Problem muss auf Ihrer Seite liegen, wechseln Sie den Router, das Kabel oder beides und vermeiden Sie es, zu Stoßzeiten das Internet oder die Internettelefonie zu benutzen. Sollten Sie noch Fragen haben, benutzen Sie unser Online-Formular.“

[Bearbeiten] Lebensmitteleinzelhandel

In einerm deutschen Bioshop ist es absolut üblich, dass z.B. hinter einer Brottheke fünf total unqualifizierte Verkäuferinnen stehen, wobei vier davon reden, in die Luft schauen, sich an den naturbelassenen Achselhaaren kratzen oder sonstwas tun und eine, meistens der Lehrling, die lange Schlange von gesundheitsbewussten Kunden bedient. Auf Rückfrage ob der Ursache des kundenfeindlichen Müßiggangs erhält man oder frau die flappsige Antwort, „frau wäre hier ja nicht auf der Flucht und wenn man keine Zeit hätte, solle man doch zum Gen-Bäcker Kamps gleich gegenüber gehen“. Resigniert stellt sich der entschleunigte, brothungrige Kunde an der inzwischen bis auf die Straße stehenden Schlange an und verwünscht innerlich die Servicewüste Deutschland.

[Bearbeiten] Gastronomie

In vielen Restaurants deutscher Inhaber und Betreiber hat der Kunde schon beim Betreten der schmuddeligen Räumlichkeiten das Gefühle, er würde den Betrieb stören. Nachdem er einen Platz in einer dunklen Ecke gefunden hat, wartet er minutenlang im Schummerlicht, bis endlich eine muffige Restaurantfachkraft die Szenerie betritt. Auf die Nachfrage, ob er das Jägerschnitzel auch mit Bratkartoffeln statt mit Pommes haben könnte faucht die Fachkraft zurück: „Schnitzel is aus, Bratkartoffeln hamma nich“. Nun weicht der Hungrige auf das halbe Hähnchen aus und bekommt zur Antwort ein knurriges „dauert aber“. Zur Überbrückung der Wartezeit bestellt der inzwischen sehr ungehaltene Kunde ein Pils vom Fass, doch als ihn die trübe Plörre erreicht, ist ihm sowohl der Appetit als auch der Durst schon längst vergangen. Angewidert verlässt er die dunkle Trauerhöhle und verzehrt beim überfreundlichen Türken schräg gegenüber einen Döner, und fragt sich, warum er das nicht gleich gemacht hat.

[Bearbeiten] Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn gilt abseits der Behörden als größter Betrieb innerhalb der Servicewüste Deutschland. Sie hält eine ausgesprochen breite Palette an Serviceleistungen Zumutungen bereit. Dies beginnt bei unanagekündigten Streckenstilllegungen und Fahrplanänderungen, reicht über die einzigartige Akustik des Rollmaterials und unerreichte Pampigkeit des Personals bis zu den beliebten Automatenspielen an den Haltepunkten in der Provinz. Schon die Umbenennung des Kunden in „Beförderungsfall“ sorgt da von Anfang an für klare Verhältnisse.

siehe Hauptartikel: Deutsche Bahn, Deutsche Bahn AG (Für das Dienstleistungsspektrum der Bahn hat es gleich zwei Artikel gebraucht.)

[Bearbeiten] Oasen

An einigen Stellen, vorwiegend in der Nähe von Autobahnen, wird die Servicewüste jedoch zunehmend durch kleine blau-gelbe IKEA-Oasen unterbrochen. Umweltschützer sehen darin aufgrund der geringen Ausdehnung jedoch keine Gefahr der Zerstörung des natürlichen Lebensraums der Deutschen.

Bei manchen Betrieben schlägt die Servicefeindlichkeit der Bediensteten allerdings ins genaue Gegenteil um. Bei Starbucks Coffee beispielsweise gibt es überfreundliche, in zahlreichen Serviceschulungen gehirngewaschene Plastikverkäuferinnen, die dem Kunden mit ihren piepsigen Micky-Maus-Stimmen unentwegt ins Ohr brüllen, ob es noch was Schönes zum Essen sein dürfe und ob man denn zum Feierabend nicht mal den Grüne-Bohnen-Geschmack im Capuccino probieren wolle. Beim Hinausgehen wird der Kunde häufig mit Sätzen wie „Viel Spaß damit!“ verabschiedet, was etwa in Apotheken beim Kauf von Hämorrhoidensalbe immer besonders gut ankommt.

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