Schönrechnen

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Elbphilharmonie.jpg

Ehrgeizige und visionäre Projekte wie die Hamburger Elbphilharmonie oder der Kölner U-Bahn-Bau werden durch die Kunst des Schönrechnens überhaupt erst möglich gemacht. Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der modernen Industriegesellschaft hängen von der erfolgreichen Arbeit optimistischer Kostenschätzer ab.

Das Schönrechnen (lat. algebra magica beatificensis) ist ein Aufgabengebiet der Betriebswirtschaftslehre. Es befasst sich mit der Thematik, die an sich immer gleichen Ergebnisse einer beliebigen mathematischen Berechnung je nach eingefordertem Kontext unterschiedlich darzustellen. Im Gebiet der Psychologie wird es auch als erweiterter Selbstbetrug bezeichnet.

[Bearbeiten] Grundprinzip

Viele Menschen sind mit den Restriktionen und der geringen Flexibilität der traditionellen Mathematik unzufrieden. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind heute ständigen Veränderungen ausgesetzt, denen die starren und altbackenen Lösungen, die die vier Grundrechenarten bieten, nicht mehr gerecht werden. Aus diesem Grund wurde nach einer Methode gesucht, öffentlichkeitswirksame Berechnungsvorgänge wie Kostenschätzungen oder Finanz- und Haushaltsplanungen zu modernisieren. Zu diesem Zweck wurde die Axiomatik der reinen Mathematik mit Krisenbewältigungstechniken aus der Psychologie sowie der Kunst des so genannten Formelkompromisses aus der Politikwissenschaft zusammengeführt. Spitzenwissenschaftler aus drei Fachrichtungen erschufen damit das Fachgebiet des Schönrechnens, das heute aus den Aufbaustudiengängen für Wirtschaftswissenschaftler und Staatsökonomen praktisch nicht mehr wegzudenken ist.

[Bearbeiten] Schönrechnen als Lernfach

Für erfolgreiches Schönrechnen wird, analog zum Schönschreiben, bereits in der Grundschule der Grundstein gelegt. Die ersten Übungen beginnen mit dem Runden von Zahlen, womit absichtliches Herbeiführen von Abweichungen bei Berechnungsergebnissen gezielt geübt wird. Diese Kenntnisse werden dann in der Sekundarschule vor allem in den Fächern Physik und Wirtschaft dann weiter vertieft. Die so erlernten Fertigkeiten werden schließlich während des Studiums, aber zunehmend auch schon in der Berufsausbildung perfektioniert.

[Bearbeiten] Anwendungsgebiete

[Bearbeiten] Schönrechnen im Unternehmen

Ein Wirtschaftsunternehmen muss in der Lage sein, das Betriebsergebnis je nach Intention der Fragestellung unterschiedlich darstellen zu können: für die Zwecke der Steuerermittlung beispielsweise muss ein möglichst schwaches Betriebsergebnis darstellbar sein, für die Zwecke der Gewinnausschüttung und der Kurspflege hingegen wird ein möglichst gutes Ergebnis gewünscht. Eine ähnliche Technik existiert zur Verschiebung von Vorsteuergewinnen aus Mitteleuropa in so genannten Steueroasen. Aus diesem Grund wird in jedem Betrieb die sogenannte doppelte Buchführung gepflegt, die ein Spezialgebiet des Schönrechnens darstellt.

[Bearbeiten] Spezielles Schönrechnen im Handwerk

Das Handwerk und verwandte Wirtschaftszweige, die mit Aufmaßen, Angebotskalkulationen und Leistungsverzeichnissen arbeiten, stehen oft vor dem ärgerlichen Problem, dass ein Auftraggeber meist den billigsten Anbieter bevorzugt. Um den Zuschlag für einen Auftrag zu bekommen, muss daher das Angebot mit den Mitteln des Schönrechnens heruntergefahren werden. Ist der Auftrag erst einmal erteilt, kann für die Zwecke der Rechnungsstellung wieder auf die konventionelle Mathematik zurückgegriffen werden. Häufig geht man sogar noch weiter und wendet bei der Rechnung dann verfeinerte Techniken wie kreative Zeiterfassung, alternatives Aufmaß und reziprokes Schönrechnen an. Mancher Handwerker erinnert sich dabei auch gleich, was er im Angebot noch so alles vergessen hat.

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Das einstweilen höchste Gebäude der Welt in Dubai, ein weiterer Beweis dafür, zu welchen visionären Anstrengungen der Mensch mit Hilfe des Schönrechnens fähig ist. Dieses Gebäude wird noch in 50 Jahren stehen, als Wahrzeichen einer im Wüstensand untergegangenen Hochkultur.

[Bearbeiten] Schönrechnen im Öffentlichen Dienst

Das weiteste Anwendungsfeld für Schönrechentechniken stellen die Wirtschaftsbereiche dar, in denen man nicht mit eigenen Mitteln, sondern mit dem Geld anderer Leute wirtschaftet, insbesondere mit dem Geld der Steuerzahler. Hier ergibt sich die Schönrechendynamik meist aus der Konstellation der verschiedenen Beteiligten: auf der einen Seite stehen Politiker bzw. Mandatsträger, für die das Ausgeben von Geld zur Selbstverwirklichung, zur Machtausübung und zur eigenen Denkmalpflege gehört, und auf der anderen Seite sind es die Wirtschaftsunternehmen, die auf einen der begehrten öffentlichen Aufträge hoffen.

Der eigentliche Geldgeber, der Bürger, ist am Entscheidungsprozess gar nicht beteiligt, so dass eigentlich gar keine Schönrechnung erforderlich wäre; tatsächlich ist sie aber erforderlich, um die Selbsttäuschung auf seiten der Politiker zu gewährleisten. Nur wenn der Politiker sich selbst erfolgreich vorgemacht hat, dass eine sogenannte Investition auf einer finanziell soliden Grundlage steht und wirtschaftlich sinnvoll ist, hat er auch die Chance, seine Wähler und Gefolgsleute gleichermaßen für dumm zu verkaufen.

[Bearbeiten] Schönrechnen im privaten Bereich

Nachdem sich das Schönrechnen in Wirtschaft und Politik durchgesetzt hatte, trat es auch einen Siegeszug bei den Verbrauchern an. Die Idee, mit einer größeren Anschaffung zu warten, bis das Geld dafür beisammen ist, wurde bereits vor einem halben Jahrhundert als albern und unzeitgemäß verworfen – dank Verbraucherkredit ist es schon lange möglich, eine Anschaffung erst im Nachhinein zu bezahlen. Das Schönrechnen aber ermöglicht auch Anschaffungen, die man nach den überkommenen Gesetzen der Rechenkunst überhaupt nicht, also weder jetzt noch irgendwann später, bezahlen kann. Verständlich, dass diese visionäre Methodik sich heute auch im Alltag größter Beliebtheit erfreut. Verbraucherfreundliche Banken und provisionslechzende Kundenberater haben ihren Teil zu diesem Erfolgsmodell beigetragen.

[Bearbeiten] Siehe auch


Dieser Artikel ist Artikel der Woche 11/2009
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Dieser Artikel istArtikel des Monats März 2009
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