Ruhrdeutsch

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Das Ruhrdeutsche ist ausdrucksstark und für den richtigen Anlass auch in der Schriftsprache verwendbar.

Keine Fremdsprache genießt in Deutschland ein so hohes Ansehen wie das Ruhrdeutsche. Denn es ist einfach gestrickt und daher sogar für auf das Wesentliche im Leben konzentrierte Schwaben (Geldvermehrung) und Bayern (Fortpflanzung) zu verstehen. Es ist unprätentiös und vermeidet den Klamauk westlich benachbarter katholischer Dialekte. Somit ist es eine tiefergehende Analyse wert.

[Bearbeiten] Entstehungsgeschichte

[Bearbeiten] Ursprung

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Radwanderkarte Restpreußen von 1812.

Bis weit in das 18. Jahrhundert hinein war das heutige Ruhrgebiet eine leicht hügelige Wald- und von Ruhr, Leckenbecke, Emscher und Lippe durchflossene Sumpflandschaft, in der die armen Bauern mit zu Tage tretender Kohle heizten, weil sie sich Brennholz finanziell nicht leisten konnten. Alljährlich feierten sie den germanischen Sieg des Arminius über die Römer 9 A.D. mit lokalen Schützenfesten. Sie hassten den Kölschen Klüngel und sein lateinisches Brimborium. Sie sprachen niederdeutsch-westfälisches Platt und grenzten sich dadurch bewusst vom heuchelnden Singsang des benachbarten niederrheinisch-ripuarischen Dialekts ab.

[Bearbeiten] Frühe Einflüsse

Ein bis dahin unbekannter Chemiker Sexprotz König Kaiser namens Napoléon Bonaparte erkannte Anfang des 19. Jahrhunderts den Wert der Steinkohle. Er eroberte daher das Ruhrgebiet mit Waffengewalt und gab erste Anstöße für deren Gewinnung und Vermarktung Verstromung. Wenige Jahre später wurde er aber durch eine west-ost-nord-südlich-dekretierte alliierte Sicherungsverwahrung auf St. Helena aus dem Verkehr gezogen.

Das von Napoléon fast von der Landkarte radierte Preußen passte 1812 bequem auf eine Radwanderkarte, war aber größter Gewinner der vielen verlorenen Schlachten um die Steinkohle und erwarb als Belohnung für seinen Verrat an Napoléon durch den Wiener Kongress 1815 u.a. das Ruhrgebiet. Man war sogar im bis dahin verschlafenen Potsdam (Preußen) auf die Steinkohle als Energielieferant aufmerksam geworden, weil in England bereits fleißig Hunderte von Dampfmaschinen an der Massenproduktion von Gütern des täglichen Bedarfs wie z.B. Always Ultra, T-Shirts von Dolce & Gabbana sowie Energiesparglühbirnen ratterten.

Die preußische Regierung nahm wahr, dass eine Kohlegewinnung im dünn besiedelten Gebiet zwischen Ruhr und Lippe allein mit den nur spärlich vorhandenen, wortkargen Westfalen nicht zu machen war. Sie lud daher Ostpreußen, Polen und Bewohner an der Militärgrenze des habsburgischen Kaiserreichs (heutiges Kroatien, Slowenien, Bosnien, Ungarn, Serbien und Rumänien) gegen die Türken dazu ein, im Ruhrgebiet Kohle zu machen.

Es begann ein beispielloser Zuzug von eingeladenen Glücksrittern aus aller Herren Länder und Provinzen, um ein trostloses Dasein unter Tage fristen zu dürfen, anstatt ärmliche, kleinstbäuerliche und vom Verhungern bedrohte Subsistenzwirtschaft andernorts betreiben zu müssen.

Essen hatte 1816 eine Einwohnerzahl von 4.721, im Jahr 1913 hingegen 320.502.

Dortmund hatte 1816 eine Einwohnerzahl von 4.465, im Jahr 1913 hingegen 250.778.

Diese Entwicklung hat das Ruhrdeutsch geprägt und entwickelt – als starken, sich selbst behauptenden, eigenständigen Regiolekt, der sich wegen des ursprünglichen Völker- und Sprachgemischs auf das Wesentliche konzentrieren sowie schnörkel- und gnadenlos Abkürzungen der Semantik, Phonetik und Grammatik wählen musste, damit man sich überhaupt untereinander verständigen konnte.

[Bearbeiten] Spätere Einflüsse

Nach den dunklen Zeiten deutscher Geschichte 1919 – 1923, 1929 – 1932, 1945 – 1949 und 1998 - 2005 sind ab den 50er-/60er-Jahren des 20. Jahrhunderts Einflüsse des Italienischen und, zunehmend, des Türkischen im Ruhrdeutschen vernehmbar. Ob sich das nachhaltig im Ruhrdeutschen manifestieren wird, bleibt abzuwarten und ist von Entscheidungen der EU-Kommission abhängig, die der gemeine Ruhrdeutsche ohnehin ignoriert. Das Ruhrdeutsche als Regiolekt kann jedoch mittlerweile als so weit in sich gefestigt angesehen werden, dass Suren des Koran keinen Eingang in die Umgangssprache finden werden, sondern nur in Gesetzestexte, an die sich der gewöhnliche Ruhrdeutsche mit seinem Selbstbehauptungswillen ohnehin nicht hält.

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Als die Einwanderer aus Polen, Österreich und Bayern zum ersten Mal den Essener Hauptbahnhof (richtig: Bannoff) betraten, umfing sie sogleich die geschäftige Atmosphäre ihrer neuen Heimat, und die ersten Brocken einer noch fremden Sprache begrüßten sie.

[Bearbeiten] Semantik

[Bearbeiten] Die „woll?“-/ “wonnich?“-/ “nä?“-Grenze

Das Ruhrdeutsch arbeitet flächendeckend mit Bestätigungskürzeln und Verneinungsbejahungen wie „woll?“, „wonnich?“ und „nä?“, um einen kategorischen Imperativ hinter eine Feststellung zu setzen. „Da hasse dich abba gestern widda bei de Kirsten voll die Kante gegeben, nä?“ – („Du hast dich gestern Abend in Kirstens Kneipe schon wieder sinnlos betrunken, nicht wahr?“).

Die „woll?“-Grenze liegt dabei auf der Linie Holzwickede – Wambel – Volmarstein und markiert den maximalen Westeinfluss des östlich gelegenen, wortkargen Sauerlands.

Westlich der „woll?“-Grenze sind „wonnich?“ bzw. „nä?“ dominant, wobei letzteres Kürzel eher den einfacheren Leuten zugeschrieben werden kann. Das Bildungsbürgertum des Ruhrgebiets (z.B. Mitglieder von Rot-Weiss Essen, Currywurstvernichter und Eierbrikettzähler) bevorzugt hingegen „wonnich?“. Dabei wird auch der gen Westen zunehmende, eloquente Einfluss des Niederrheinisch-Katholischen mit dem Benutzen von „wonnich?“ bemerkbar.

[Bearbeiten] Der Rauxel-Wannesche Urschrei

Im Gegensatz zu „woll?“, „nä?“ und „wonnich?“ ist das „eyj“ ein Urschrei, der sich aus ältesten Wortbildungen in die Sprachgestaltung an Ruhr und Lippe gerettet hat, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen (z.B. „Du hass wohl nich alle Tassen im Schrank, eyj!“). Aber auch als Herausforderungsvokativ ist er geeignet: „Eyj, gippmichmadatdingensda!“ („Hallo, lieber Kollege, dessen Namen mir gerade nicht einfallen will! Wärst du so freundlich, mir mal bitte den Zollstock von dort hinten anzureichen?“)

Das ruhrdeutsche „eyj“ ist derart allgegenwärtig, dass niemand weiß, wie es genau geschrieben wird. Im Duden fehlt es demzufolge auch. Damit ist bewiesen, dass es sich beim Ruhrdeutschen um eine eigene Sprache handelt.

[Bearbeiten] Diminutiva – Große Probleme klein geredet

Nicht alle Sprachen verfügen über ein Diminutiv als Wurmfortsatz Blinddarm Appendix an ein Hauptwort oder ein Attribut. Das Ruhrdeutsche hat so etwas mit der Endung „-ken“ zu bieten und weist sich damit als stark differenzierende Fremdsprache aus. Beispiele dafür sind „i-Dötzken“ (Erstklässler in der Grundschule), „Pättken“ (Pfad, Gasse), „Öppsken“ (kleinwüchsiger Großvater),„Föttschken“ (Hinterteil) und „Sträßken“ (eigentlich alles unterhalb der Breite einer Autobahn oder der Landebahn eines Großflughafens).

Mit dem „-ken“-Appendix kann man zudem in vornehmer Art große Probleme klein reden, also diminuieren, wie folgendes Beispiel belegt: „De Wännä hat ihm seine Tusse am Bettken gefesselt und mit’m Stöcksken n’bissken gequält.“ ("Werner hat seine Freundin ans Bett gefesselt und mit einem Stock halbtot geprügelt"). Daher eignen sich Politiker aus dem Ruhrgebiet auch so gut als Moderatoren für Friedensmissionen der UNO.

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Ruhrdeutsche Bildungsbürger beim Kongress der Gesellschaft für ruhrdeutsche Sprache 2007.

[Bearbeiten] Präpositionsverwirrung

Komma bei Omma!“ bedeutet nicht etwa „Oma liegt im Koma!“, sondern „Komm’ einmal zu Oma!“ Die Verwirrung für Normaldeutsche wird dabei durch die Präposition „bei“ bewirkt, die zwischen Maas und Memel, Etsch und Belt FALSCH verwendet wird – außer im Ruhrgebiet.

Die Präpositionsverwirrung kann im Ruhrgebiet als neuem Kernland deutscher Hochsprache flächendeckend beobachtet werden. Es wäre an der Zeit, diesem Umstand durch eine weitere Rechtschreib- und Grammatikreform endlich Rechnung zu tragen.

„Ich geh’ nache Kiache“ für „Ich gehe in die Kirche“ ist die fast kürzest mögliche (nur vier Worte!) Ausdrucksweise für einen Kirchgang mit Subjekt, Prädikat und Objekt, und daher grundsätzlich unterstützenswert.

Schwieriger zu deuten wird das Verwenden von Präpositionen, wenn sie als Verdoppelung an das Ende eines kurzen Satzes gestellt werden. Dies ist besonders im westlichen Ruhrgebiet zu vernehmen und hört sich ungefähr so an: „Komma bei mich bei! Ich will wat von dich von!“ („Hallo, kleines Mädchen! Willst du mit mir in den Wald gehen?“). Auch hier ist der niederrheinisch-katholische Odem mit seiner wortreichen, vernebelnden, lüsternen Nonchalance spürbar.

Präpositionsverdoppelungen müssen sich jedoch nicht zwangsläufig auf nur eine Präposition beziehen. Die Verwendung von zwei oder noch mehr Verhältniswörtern in einem Kurzsatz ist durchaus üblich, um den Zuhörer höchstmöglich zu verwirren, zum Beispiel „Ich fahma nach OBI hin“ („Ich fahre mal eben zu OBI“) oder „Bisse gestern widda bei Rosi hin gegangen?“ („Warst du gestern wieder im Puff?“) oder „Dat hammwa gäan: Vonne Zeche inne Kneipe auffe Alte nachet Stadion hin!“ („Das haben wir gern: Von der Waschkaue direkt ins Stadion!“).

[Bearbeiten] Die rationelle Verknappung – Das Hamsamsam-Phänomen

„Hamsamsamstach Schalke geseh’n? Hattatta gereeechnet!“ („Haben sie am Samstag das Fußballspiel vom FC Schalke 04 gesehen? Da hat es vielleicht geregnet!“)

Kaum eine Fremdsprache kann von sich behaupten, die Anlehnungssprache (in diesem Fall das Deutsche) so stark verkürzen zu können, dass aus ganzen oder Halbsätzen einzelne Worte werden. Im Ruhrdeutschen ist das jedoch möglich und zeugt von der dortigen rationellen Lebensweise, gepaart mit dem Willen, als linguistischer Multi-Kulti-Brodeltopf Verständigung untereinander bereit zu halten. Worte wie „Bissemaehmruich?“ („Halt die Fresse!“) oder „Oppelfahniswiewennzefliechs“ („Opel fahren ist, als ob du einen Pilotenschein hättest“) sind Landmarken des aufgeklärten Neogermanismus. Und wenn Worte fallen wie z.B. „Hassemanhunni?“ („Kannst du mir bitte bis zu meiner Silberhochzeit 100 €uro leihen? Ich heirate auch vielleicht schon übernächstes Jahr.“) oder „Kannzemademäawinseinepinökelsdawechtun?“ („Würdest du bitte mal Erwins Sachen weglegen?“), fühlt man sich im sprachlichen Schmelztiegel Mitteleuropas.

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Franz Müntefering hat das ruhrdeutsche getz jahrzehntelang trainiert und kann doch immer noch seine sauerländische Herkunft nicht ganz verleugnen.

[Bearbeiten] Phonetik

[Bearbeiten] Worte wie ein Schuss – der G-Punkt stammt aus Gelsenkirchen

Der vor 200 Jahren im Ruhrgebiet wirkende Chemiker Sexprotz König Kaiser Napoléon konnte mit der althochdeutschen Bezeichnung eines Kuhkaffs namens „Jelsenkirchen“ (damals 500 Einwohner, 1913 insgesamt 176.111 Einwohner) nichts anfangen, weil er das niederdeutsche, harte „J“ nicht auszusprechen vermochte. Er verfügte daher ein Umbenennen des Ortes in „Gelsenkirchen“ – wie „Guillotine“, „Guillaume“ und „Guerre“.

Die örtliche Bevölkerung empfand dies als Impetus für die siebzehnte germanische J-Konsonantenverschiebung. Fortan hieß der Ort „Gelsenkirchen“.

Im Überschwang der Befreiungsgefühle von Napoléon fiel das germanische, harte „J“ des Wortes „jetzt“ den beflissenen, übereifrigen Ruhrdeutschen ebenfalls zum Opfer. Es heißt daher heute „Wiafahmagetznacheborussiahin“ („Wir fahren jetzt zum Fußballspiel zwischen Dortmund und Schalke“).

Wie ein Schuss wirken seitdem auch Sätze wie z.B. „Getz machabbama halblang!“ („Hör’ auf!“) oder „Ich geh’ getz nach’m Achim hin.“ („Ich besuche Achim“).

[Bearbeiten] Das Leckenbecker „L“

In Deutschland gibt es nur drei inselartige Regiolekte, die das „L“ guttural ausgestalten: Das Lusatische, im Raum Lübbenau gesprochene Nah-Polnisch, das dem Schwyzerdütsch ähnliche, dem Alemannischen verwandte Siegerländische, sowie das Ruhrdeutsche. Tommies und Amis als Besatzungsmächte fanden den Klang des Leckenbecker Ls so charmant, dass sie es sofort patriierten. Der wuchtige Sound von „woll“, „well“ und „will“ durchzieht seither die Daily Soaps und Talkshows zwischen Anchorage und Ramstein.

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De klaine Äawin anne Omma ihr Grapp.

[Bearbeiten] Das Moppet-Phänomen

Zur sprachlichen Kultur des rationellen Verknappens gehört eine gebührende Verkürzung von üblicherweise lang gesprochenen Vokalen. Vorzugsweise betrifft das Worte mit einem Dehnungskonsonanten. „Bannoff“ („Bahnhof“), „Moppet“ („Moped“) und „Grapp“ („Grab“) sind nur einige aus einer Fülle von Beispielen dafür. In diesem fortgeschrittenen Stadium des semantisch-etymologischen Durchdringens des Ruhrdeutschen wird die Übersetzung des folgenden Satzes ins Hochdeutsche daher kaum noch Schwierigkeiten bereiten: „Ich geh getz am Bannoff hin, kauf mich ne Fahkatte und mach annet Grapp vonne Omma.“

[Bearbeiten] Die R-Abstinenz

Selbst gediegenen Sprachmorphologen ist bereits aufgefallen, dass das „R“ häufig lediglich den Wert eines gehaucht artikulierten Füllkonsonanten aufweist. Getreu dem Motto „Ganz odda gaanich“ geht das Ruhrdeutsche noch einen Schritt weiter und eliminiert das „R“ komplett aus vielen Worten, indem es durch die 8. ruhrdeutsche Lautverschiebung mittels eines „A“ ersetzt wird. „Düüsbuach“ („Duisburg“), „Jaamaakt“ („Jahrmarkt“), „Doatmund“ („Dortmund“), „Maasch“ („Marsch“), „Wuaass“ („Wurst“), „Biane“ („Birne“) und „Kiache“ („Kirche“) sind Beispiele dafür.

[Bearbeiten] Grammatik

[Bearbeiten] Singuläre Kasualistik

Dem Ruhrdeutschen wohnt das spektakuläre Mirakel inne, den dativisch-akkusativischen Genitivus nominativi erfunden und umgangssprachlich hoffähig gemacht zu haben. Das bedeutet, dass man in einer verwirrenden, geBILDet wirkenden Wortzahl vier falsch angewandte Fälle unterbringen kann – eine einzigartige grammatikalische Meisterleistung unter den wichtigen Sprachen dieser Welt. „Dem Äawin seine Trulla hat zu mich gesacht...“ („Erwins Frau teilte mir mit...“) ist ein Beispiel dafür.

Berühmt ist die Frage an Ex-Bundespräsidenten Rau, ob man nicht auch einmal ein Fußballstadion nach einer Frau benennen könne. Er antwortete darauf „Wie soll das denn dann heißen? Vielleicht ‚Dem-Ernst-Kuzorra-Seine-Frau-Ihr Stadion’?“ Legendär ist auch ein Zuruf von Lothar Emmerich an seinen kongenialen Mannschaftskollegen Wosab von Borussia Dortmund „Gipp mich die Kiasche!“ („Spiel mir den Ball zu!“).

Überhaupt spielt sich das gesellschaftliche und daher sprachliche Leben der Ruhrdeutschen überwiegend im oder um das jeweilige Fußballstadion ab. Ein Schiedsrichter verwarnte zum Beispiel den Rot-Weiss-Essener Spieler Willi „Ente“ Lippens einmal mit „Ich verwarne Ihnen!“ Lippens entgegnete erzürnt „Ich danke Sie!“ und sah daraufhin die rote Karte, weil der Schiri sich beleidigt fühlte.

Fußballspieler aus dem Ruhrgebiet können ohnehin unvergleichlich spannende Geschichten aus ihrem Beruf erzählen. Zum Beispiel Horst Hrubesch, das wegen seiner Kopfbälle gefürchtete „Ungeheuer“ auf die Bitte eines Fernsehreporters, die Entstehung des im gerade abgelaufenen Länderspiel von ihm geköpften Tores zu schildern. O-Ton Hrubesch: „Manni Flanke – Ich Kopf – Tor!“ Bei solcherart nervenzerfetzenden Romanen bedarf es keiner Deklination oder Konjugation mehr. Man kann sogar auf Prädikat und Objekt verzichten – eine Meisterleistung ruhrdeutscher Verknappung. Dagegen nimmt sich Lothar Emmerichs Spruch geradezu philosophisch und grammatikalisch gediegen aus: „Ich happ nie lang gefackelt – die Katoffel immä sofott auffe Bude geballätt.“

[Bearbeiten] Die echte deutsche Verlaufsform

In Quarta oder Untertertia hat man gelernt, dass das Englische eine der wenigen germanischen Sprachen ist, die eine Verlaufsform kennt. „I am sailing“ („Ich segele gerade“) von Rod Stewart ist ein Beispiel dafür. Das Ruhrdeutsche kennt jedoch ebenfalls eine ihm eigene Verlaufsform als Markenzeichen einer selbstständigen, sich vom Hochdeutschen abgrenzenden Sprache.

Man stelle sich vor, dass sich in einer Hinterhofwohnung von Oberhausen-Sterkrade ein Familienvater zur Verrichtung verschiedener Dinge im vier Quadratmeter großen Nassbereich eingeschlossen hat. Seine Frau spürt plötzlich dasselbe Bedürfnis und knallt gegen die verschlossene Tür. Der Familienvater ruft erbost „Bin am Kacken dran!“ („Ich wasche mir gerade die Hände!“).

Hierbei haben wir es mit der echten Verlaufsform als kreativer Fortentwicklung der deutschen Hochsprache zu tun.

„...am ... dran...“ muss daher in der Sprachentwicklung mit dem englischen „-ing“ gleichgesetzt werden und weist das Ruhrdeutsch als weit entwickelte, stark differenzierende germanische Sprache aus.

[Bearbeiten] Der Emscher-Lippe-Vokativ

Der Vokativ als Anredeform ist dem Hochdeutschen im Gegensatz z.B. zum Lateinischen oder den slawischen Sprachen fremd. Nicht so im Ruhrdeutschen. Anstatt jedoch einen Substantiv oder Namen zu deklinieren, bemüht man im Ruhrdeutschen abkürzend die Allzweckwaffen „eyj!“ oder „hömma!“. Zum Beispiel „Hömma, du Blindfisch! Hasse schonn widda dem Klaus sein Deckel vollgemacht?“ („Haben Sie sich etwa schon wieder auf Klaus’ Kosten betrunken?“)

Dem Emscher-Lippe-Vokativ wohnt insgesamt die heimelige Atmosphäre von Eckkneipen mit ihrem rauhen Ton inne, der von BILD, Bundesliga und noch einem Wort mit „B“ geprägt ist. „Bier“ ist es zwar nicht, hat aber mit ähnlichen maskulinen Grundbedürfnissen zu tun...

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Es gäbe da noch einen Comedian, der Ruhrdeutsch im Programm hat, aber der Kollege wünscht nicht, dass sein Name genannt wird.

[Bearbeiten] Protagonisten

Der Regiolekt des Ruhrdeutschen kann glaubwürdig nur von sich sprachlich-hochdeutsch selbst entleibenden Ureinwohnern des Ruhrgebiets vorgetragen werden. Dazu gehören an vorderster Front

  • Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier (+)
  • Tana Schanzara (+)
  • Uwe Lyko alias Herbert Knebel
  • Bruno Knust alias "Günna"

Auch Hans Peter Kerkeling verfügt kraft seiner Wassersuppe Geburt (Recklinghausen) über das Vermögen unverfälschten Ruhrdeutschs. Ähnliches gilt für Dr. Ludger Stratmann, dessen Mutter mit ihren neun (!) Kindern 1958 (!) freiwillig (!) nach Essen (!) zog.

Im Dunstkreis des ruhrdeutschen Regiolekts bewegen sich aber auch die begnadeten Künstler Hans-Jürgen Dohrenkamp alias Jürgen von der kessen Lippe und Rüdiger Hoffmann.

[Bearbeiten] Vertiefende Literatur

Dieser Artikel ist Artikel der Woche 35/2009
Dieser Artikel ist
Dieser Artikel istArtikel des Monats August 2009
Dieser Artikel ist
Artikel des Monats August 2009
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