Muzak

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Als Muzak (Wortkombination aus Musik und Kodak) bezeichnet man die akustische Soße, die landauf landab in Kaufhäusern, Hotellobbys, Fahrstühlen, Restaurants und Bestattungsunternehmen abgenudelt wird.

[Bearbeiten] Typologie

Muzak ist eine rein funktionale „Musik,“ die von den meisten (unfreiwilligen) Zuhörern nicht bewusst wahrgenommen wird und diese heiter und gelassen stimmen, bzw. zum Kaufen und Konsumieren anregen soll. Das Gegegenteil ist oft genug der Fall, denn Muzak macht viele Menschen ärgerlich und nervös, da sie sich akustisch vergewaltigt fühlen, wenn sie bei ihren Einkäufen ständig mit dilettantisch verpoppten Versionen von „Für Elise“ oder „Carmina Burana“ beschallt werden. Die stilistische Verunstaltung klassischer Musikstücke nimmt bisweilen groteske Züge an: Leitmotive und Melodiefragmente bekannter Klassiker werden durch den elektronischen Wolf gedreht, mit billigen Plastiksynthesizern wiedergegeben und schlecht programmierten Drumcomputerrhythmen unterlegt. Am grausamsten wird Muzak, wenn der Klang geigenlastiger Unterhaltungsorchester mit dem Sound „moderner“ elektronischer Instrumente gemischt wird. Das Resultat klingt - metaphorisch gesprochen - in etwa wie Rostbraten mit Erdbeermarmelade und löst bei Musikliebhabern allergische Reaktionen aus, die der intentionalen Wirkung dieser Musik diametral entgegenstehen. Auf den Einsatz von Singstimmen wird bei Muzak bewusst verzichtet, da diese zu viel Aufmerksamkeit des unbewussten Zuhörers auf die seichte Soße lenken würde.

[Bearbeiten] Einsatzgebiete und Wirkung

Muzak wird gerne in Kaufhäusern eingesetzt, um z.B. störende Nebengeräusche zu übertönen oder ein kaufrauschförderndes Klima zu schaffen. Da die Anwesenheit von Stille von vielen Menschen als bedrückend empfunden wird, haben die Werbestrategen, Stadtplaner und Hotelmanager an fast allen Orten des öffentlichen Raums Muzakinstallationen vorgenommen, die 24/7 eine akustische Umweltverschmutzung herbeiführen, die ähnlich drastische Konsequenzen wie die Drohende Klimakatastrophe hat.
Die beruhigende, aggressionhemmende bzw. kaufrauschfördernde Wirkung des Muzak wird dabei von den Verursachern vorausgesetzt, ist aber wissenschaftlich keinesfalls belegt. Ob sich eine Teflonpfanne tatsächlich besser verkauft, wenn sie akustisch von winselnden Geigen und mit viel Hall versehenen Panflöten untermalt wird, ist zu bezweifeln. Viel eher ist davon auszugehen, dass potentielle Kunden so schnell wie möglich die akustisch verschmutzte Verkaufsfläche wieder verlassen wollen, zum erstbesten Sonderangebot greifen und schleunigst zur Kasse rennen, da sie sich von der musikalischen Seiche genötigt und gestresst fühlen.

In Hotels wird Muzak in Fahrstühlen und Lobbys installiert, um die Hotelgäste von den mehr oder weniger großen Unzulänglichkeiten des Betriebs abzulenken. Auch hier ist fraglich, ob der übernächtigte Hotelgast die tropfende Klospülung, die ihm nächtens den Schlaf geraubt hat, vergisst, wenn ihm morgens auf dem Weg zum Frühstücksraum eine säuselnde Klangschalenmusik mit vibratösen Oboenfragmenten auf die Ohrmuschel drückt oder ob diese Klänge ihn nicht noch eher dazu animieren, sich umgehend beim Hotelmanager zu beschweren.

Bestattungsunternehmen verwenden Muzak, um ihren Kunden unbewusst etwas von ihrer Traurigkeit zu nehmen, wenn sie sich für das „Rundum-Sorglos-Paket“ zwecks Beerdigung ihrer Liebsten (oder Verhassten) entscheiden sollen. Durch sakral angehauchten Muzak mit feierlicher Wirkung kann der Kunde auch dazu animiert werden, sich eher für den Mahagonisarg mit Satin-Interieur zu entscheiden, statt auf den viel billigeren Sarg aus zusammengeleimten Spanplatten zurückzugreifen.


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