Auf der Mauer auf der Lauer sitzt 'ne kleine Wanze

Aus Uncyclopedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Weitblick.jpg


Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei   
Download der Vertonung dieses Artikels
Dieser Artikel existiert im Rahmen des Projektes "Vertonte Artikel" auch als Audiodatei.
Höre dir den Artikel an →
Wanzenlied.ogg

Im Rahmen ihrer Bildungsoffensive hat die Kulturredaktion der Uncyclopedia beschlossen, in unregelmäßigen Abständen Analysen deutscher Volkslieder zu veröffentlichen. Als zweite Analyse dieser Reihe wird hier das Volkslied Auf der Mauer auf der Lauer sitzt 'ne kleine Wanze (ADMADLSNKW) auf seine versteckten politischen Botschaften sowie seine gesellschaftliche Relevanz überprüft.


[Bearbeiten] Das Lied in sechs Strophen

Wanzenlied.jpg

Bewährte deutsche Volksliedtugend kommt auch ohne Sechzehntel und fummlige Punktierungen aus.

Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wanze.
Seht euch nur die Wanze an,
wie die Wanze tanzen kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wanze.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wanz.
Seht euch nur die Wanz an,
wie die Wanz tanz kann! *
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wan.
Seht euch nur die Wan an,
wie die Wan tan kann! *
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine Wa.
Seht euch nur die Wa an,
wie die Wa ta kann! *
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt 'ne kleine W.
Seht euch nur die W an,
wie die W t kann! *
Auf der Mauer, auf der Lauer
Sitzt 'ne kleine -.
Seht euch nur die - an,
wie die - - kann!
(Autor unbekannt)
(*) =entspricht den ersten beiden Zeilen jeder Strophe und wurde aus Sparsamkeitsgründen weggelassen

[Bearbeiten] Textanalyse

Lange glaubten Wissenschaftler der Volksliedforschung, dass der Text des Liedes auf die politischen Verhältnisse des Überwachungsapparat irgendeiner beliebigen Staatsform der Weltgeschichte anspielt. So wurde je nach aktueller Herrschaft der Begriff "Mauer" mit historisch populären Bauwerken, wie dem Obergermanisch-Raetische Limes (1.-3. Jh. n. Chr.), dem Atlantikwall (um 1943) oder dem antifaschistischen Schutzwall (1963-1989) assoziiert. Ebenso stand die "Wanze" symbolisch für den unbeliebten Diener (samt Hilfsmittel auf "Lauer"-Stellung) des Überwachungsapparat dieser Staatsform.

Amerikanische Wissenschaftler der School of Folksong haben nun herausgefunden, dass die Deutung des populären Volkslied eher in eine sozio-biologische Richtung weist. Mit "Wanze", ist zur Überraschung vieler, das seltene Insekt der Heteroptera aus der Ordnung der Hemiptera gemeint.

Ähnlich wie die "kleine Wanze" ist auch der Inhalt aller sechs Strophen sehr klein gehalten. In der ersten Strophe begnügt sich die auffällig bescheidene Wanze zunächst mit einer einfachen Sitzstellung auf ihrer auserwählten Natursteinmauer. Dies können mehrere übereinanderliegende Feldspate sein, aber auch ein im Durchmesser mehrere Meter großer Granitfindling aus der letzten Eiszeit wird gern in Anspruch genommen.

Die Ruhe ("Lauer" steht hier symbolisch für eine Art Meditationshaltung) und Idylle dieser Situation wird nun bereits in der 3. Zeile erheblich gestört. Durch denunziatives Verhalten einer nicht näher benannten Personengruppe (vermutlich einer KITA-Gruppe beim Tagesausflug im Raum Bielefeld), die lautstark intoniert "Seht euch nur die Wanze an" gerät das so friedliche Tier in panische Aufruhr und beginnt sich nervös zu drehen. Die Fehlinterpretation dieser Handlung durch die nicht näher benannten Personengruppe kommt in der Zeile "wie die Wanze tanzen kann" tragisch zum Ausdruck. Erst durch die Wiederholung der ersten beiden Zeilen, kommt auch die kleine Wanze zu Ruhe und wieder in Sitzstellung auf ihre Mauer.

Die 2. bis 6. Strophe glänzen zur Freude vieler lernunwilliger Sangeskünstler mit fast identischem Textmaterial, was durchaus Ursache für eine hohe Popularität von ADMADLSNKW im Volksmund sein dürfte. Die Redundanz der immer wieder gleichen ersten Strophe wird allerdings durch ein kniffliges Ausdünnen der Worte "Wanze" und "tanzen" unterbrochen. Bei jeder Strophe werden den beiden Wörtern rektal, also von hinten, Buchstaben entfernt, bis von der Wanze und dem Tanzen nichts mehr übrig ist. Dieses stilistische und tierunwürdige Mittel rotierender Verstümmelung ist wohl die zentralste Aussage dieses so tiefgründigen Liedes. Das Verhältniss von Mensch und Tier wird hier offenbart, bei der der Mensch durch permanenten Eingriff (s. Denunziation) in die Natur vor allem die Tierwelt gehörig durcheinander bringt. "Sitzt ne kleine --" heißt es dann zum Ende der letzten Strophe, ein Nichts, dass auch "nicht mehr --" tanzen, sich also nicht bewegen, kann. Ein Trauerspiel mit Todesfolge, was uns zum Nachdenken anregen sollte.

[Bearbeiten] Musikanalyse

Wie viele Volkslieder steht auch ADMADLSNKW in der Randgruppentonart C-Dur und beginnt im Volltakt mit dem dazugehörigem Grundton. Das garantiert ein sicheren Einstieg in das Lied für alle Beteiligten von Volksmusiksendungen in Radio und TV. Die ersten vier Takte bleiben sparsam im Tonumfang, wobei die Terz nicht überschritten wird.

Das monotone Viertelnotengestampfe erinnert hier stark an Beethovens Siebente, Zweiter Satz, oder Griegs In der Halle des Bergkönigs und steht genaugenommen in paradoxen Zusammenhang mit dem gemütlichem Sitzen der kleinen Wanze auf der Mauer. Dem Zuhörer bleibt es überlassen ob sich vielleicht die Zehen der Wanze im Takt der Musik bewegen oder der Wanzenkopf hip-hop-mäßig im Viertelnotenschlag daher groovt.

Takt 5 bis 8 sind dann eine billige Kopie der ersten vier Takte, die um drei Töne nach oben transponiert wurden. Dieses retardierendes Moment mag dilletantisch wirken, war aber seit je her für völkische Laienkomponisten die einzige Möglichkeit überhaupt etwas auf Papier zu bringen. Die Takte 9 bis 12 führen danach zum tragischen Höhepunkt von ADMADLSNKW (s. textliche Denunziation), die in der Subdominante und mit dem a in Takt 10 und 11 auch den höchsten Punkt der Melodieführung erreichen. Takt 13 bis 16 wirken dann als Abschluss und Wiederholung der Takte 1 bis 4 eher Langweilig, füllen aber jedes noch so lange Abendprogramm.

[Bearbeiten] Wirkung

ADMADLSNKW war und ist ein beliebtes Volkslied, welches durch seine musikalische und textliche Schlichtheit bei gleichzeitiger interpretatorischer Vielseitigkeit glänzt. Doch Vorsicht erst kürzlich warnte der Deutsche Tierschutzbund vor dem Missbrauch dieses Liedes im Biologieunterricht an einigen Schulen in NRW. Dort sollen Schüler einer 4. Klasse während der Beobachtung einer Grünen Stinkwanze in der Biologiestunde die musikalische rotierende Verstümmelung direkt am Insekt mit Pinzette und Skalpell umgesetzt haben. "Auf dem Schultisch auf dem Lehrer sitzt nun keine Wanz mehr ..."

[Bearbeiten] Quellen

  • Klee, M.: Wanzen des Imperiums. Leben am römischen Limes. Theiss, Stuttgart 2006.
  • Mielke, E.: Installation von Schallempfängern an Wallanlagen. Verlag des MfS, Berlin 1971
  • Silbereisen, F.: Silbrig schillert hier mein Lied: beliebte Volkslieder in C-Dur. Hohenheim Verlag, Stuttgart 2008

[Bearbeiten] höre auch

Dieser Artikel ist Artikel der Woche 39/2010
Dieser Artikel ist
Spezialprojekte
projects