Audiophilie

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Unverzichtbares Utensil für einen Audiophilen: Ein, zwei oder viele Ohren.

Die Audiophilie (von lateinisch audire und griechisch φιλία) ist eine Krankheit, bei der die Betroffenen beim Hören auditiver Darbietungen - in der Regel Musik - zu einem sexuellen Höhepunkt kommen, wenn sie dabei an die technischen Merkmale des Wiedergabeverfahrens denken oder über sie sprechen. Die Audiophilie ist im ICD-10-Verzeichnis der Krankheiten unter „Sonstige Störungen der Sexualpräferenz“ (F65.8) als Paraphilie klassifiziert.

[Bearbeiten] Symptome

Der Audiophile bewertet regelmäßig den Klang einer musikalischen Darbietung wesentlich höher, als die künstlerischen Aspekte. Tatsächlich handelt es sich dabei überwiegend um Menschen der Gattung Homo neanderthalensis, die für feinere Ästhetik vollkommen taub sind. Musik ist für sie eine rein sensorische Befriedigung, welche dem biologischen Überleben sehr nahe steht. Insofern überrascht es nicht, dass viele Audiophile großen Wert darauf legen, dass sie ihre Neigung viel Geld kostet, oder anderweitig mit einem besonders harten Schicksal verknüpft ist, wie etwa dem konzentrierten Lesen von anderthalb Seiten in einer vermeintlichen Fachzeitschrift, ohne sich dabei mehr als 15-mal am Kopf oder am Sack zu kratzen.

[Bearbeiten] Fetische

Der Audiophile hat im Zuge seines Leidens eine große Vielfalt verschiedener Fetische entwickelt. So ist für ihn in der Regel ein musikalischer Genuss ohne vergoldete Anschlussstecker sowie Lautsprecherkabel aus massivem Platin schlichtweg undenkbar und provoziert bei ihm einen Aufschrei der Empörung, falls er einer solchen gefühlten Foltermethode unfreiwillig ausgesetzt werden sollte. Diese Reaktion ist auch durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass Audiophile vermöge ihrer zu paranoider Intensität gesteigerten Sinneswahrnehmung sogar noch Rauschen mit einem Pegel von -250 dB wahrnehmen können.

Für den statusbewussten Audiophilen gehören Röhren in den Verstärker, so wie andere Menschen nicht ohne Krawattennadel zur Arbeit gehen. Denn Röhren haben natürlich einen viel „weicheren“ Klang als Transistoren, das ist ja auch der breiten Öffentlichkeit bekannt, auch wenn sich vielleicht noch niemand die Mühe gemacht hat, es nachzumessen. Überhaupt halten Audiophile nicht viel von Messgeräten, da sie sich darüber bewusst sind, dass ihre eigenen Sinnesorgane viel präziser sind als jedes Messgerät.

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Gäste einer „Hörgenussparty“ in der privaten Plattensammlung eines Audiophilen.

So kommt es, dass einige Audiophile im Brustton der Überzeugung die Vinyl-Langspielplatte als klangliches Nonplusultra anpreisen, wohingegen die CD „irgendwie elektronisch“ klingt. Der Gedanke, dass die Trägheit der Abtastnadel eines Plattenspielers hohe Frequenzen herausfiltert, die der hypersensible Audiophile als unangenehm empfindet, kommt ihm dabei natürlich nicht in den Sinn. Andere Audiophile wiederum behaupten, die CD wäre der LP um Größenordnungen überlegen, schon allein der fehlenden Knackgeräusche und des linearen Frequenzgangs wegen. Der Audiophile hört also nicht die Symphonie Nr. 40 von Mozart sondern vielmehr „Knacks“ oder nicht „Knacks“, je nachdem ob linearer oder hyperbolischer Frequenzgang.

Unter den Audiophilen streiten sich aber auch die eher progressiven Advokaten moderner Technik über technische Details. So finden sich bestimmt Audiofreaks, welche den Klang einer CD angenehmer finden, wenn sie von einem rosafarbenen Laser statt von einem lilablassblauen Laser abgetastet wird. Klangvergleichstests verschiedener digitaler Audiokabel finden sich in diversen Fachzeitschriften. Und sicher gibt es auch Leute, die die Betriebsspannung des CD-Lasers von 2,2 Volt auf 2,2001 Volt „tunen“, um eines authentischeren Klangerlebnisses Zeuge zu werden. Falls sie eine CD wirklich mal in MP3 wandeln sollten, dann nur mit 512 kHz Abtastrate und 6400000 kbit/s Kompressionsrate, und natürlich mit dem Lame-Encoder und nicht mit dem Fraunhofer-Encoder, der ja bekanntlich der technischen Entwicklung bereits zwei Jahrzehnte hinterher hinkt.

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Zu klein.

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Zu klein.

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Zu monoton.

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Eventuell ausreichend, wenn fertig gestellt.

Dagegen findet der eher unverhohlene Ausdruck des libidinösen Verhältnisses zur Technik seinen Niederschlag vor allem in der Bevorzugung von Verstärkern mit Lautstärkeknöpfen nicht unter 10 cm Durchmesser, Subwoofern in die man auch mal den Kopf hineinstecken kann, und Bass-Speakern mit denen man in der eigenen Zweizimmerwohnung die Gewissheit hat, mit der eigenen Anlage auch mal den Veranstaltern von Rock am Ring aus einer Not helfen zu können.

[Bearbeiten] Konsumverhalten

Solche naiven Zeitgenossen sind dann naturgemäß die willigen Opfer von Audiotechnik-Fachverkäufern. Sie gehen in einen Laden mit 1000 Euro Bargeld, um sich eine neue Anlage zu kaufen, und nachdem ihnen der Verkäufer mit soliden Argumenten dargelegt hat, dass sie für das Geld nicht einmal einen gescheiten Kassettenrecorder für die Räuber-Hotzenplotz-Kassetten ihrer Kinder bekommen, verlassen sie den Laden mit einem Stapel Pakete, einem um die eiserne Reserve in Höhe von 5000 Euro gekürzten Bankkonto, und der Gewissheit, dass sie jetzt wenigstens mal was für den Anfang besitzen.

[Bearbeiten] Musikgeschmack

Aufgrund seiner Sinnesfixierung bevorzugt der Audiophile eher simple Musik, wie sie etwa im Radio zu hören ist, zum Beispiel in Oldiehitparaden. Nicht dass er diese Musik an sich besonders ansprechend fände, denn die Musik ist ihm ja vollkommen egal. Ihm ist es wichtig, nach 7 Minuten Laufzeit des Musikstückes eine einzelne Triangel zu hören, oder ein vorbeifliegendes Düsenflugzeug, wobei er dann ganz stolz ist, dass man dabei rechts von links unterscheiden kann. Es besteht allerdings bei ca. 57 % der Patienten gleichzeitig ein sogenannter Ernstmusikknall. Dabei ist die Musik nicht egal, sie muß nur möglichst (nach Presseberichten) bedeutungsschwer, unverständlich, schlecht und unpopulär sein (Zwölfton, Opern, "Moderne Klassik"). Von Analoga in der Bildenden Kunst (sog. Schmierophilie) bzw. Philosophie (Laberglauben, Idealismus) wurde anekdotisch berichtet.

[Bearbeiten] Komorbidität

Ähnliche Krankheiten kommen in verschiedenen Bereichen des Massenkonsums vor, welche auf denselben organischen Ursachen beruhen. Mit der Anfälligkeit für Audiophilie lässt sich daher auch ein vermehrtes Auftreten dieser anderen Störungen beobachten. Als diese wären zu nennen die „Bicyclophilie“, bei der die Kranken mehr Herz und Geld in ihre Radlerhosen investieren, als in die Benutzung ihres Fahrrades; die „Calculophilie“, bei der die Betroffenen die CPU ihres Rechners von 3 GHz auf 3,001 GHz „hochtakten“ und schwören, er liefe gleich viel besser, auch wenn der Benchmark keinen reproduzierbaren Unterschied feststellt; oder die „Automobilophilie“, deren zur Verdammnis bestimmte Anhänger mehr in fette Abgasendtöpfe investieren, als in den Rostschutz, weswegen viele der auf diese Art „verschönerten“ Altwagen bald vom TÜV ausselektiert werden.

[Bearbeiten] Äußerliche Merkmale

Aufgrund der ähnlichen Ätiologie der genannten Krankheiten treten diese vor allem bei einem oft schon an seinem Äußeren erkennbaren Menschentyp auf. Dieser bietet in der Regel das prototypische Bild des Vokuhilaoliba („Vorne kurz, hinten lang, Oberlippenbart“): laute Stimme, proletenhaftes Auftreten, immer auf der Suche nach der nächsten Penisverlängerung, Opfer und Täter zugleich.

Doch der Eindruck täuscht - hinter dem vordergründigen Habitus des primitiven Dorfdeppen steckt nicht selten ein hochsensibler Charakter, welcher jegliche angeborene Kritikfähigkeit im Keim erstickt.

[Bearbeiten] Therapie

Der Audiophile ist außerordentlich therapieresistent. Es ist aber schon episodisch von Heilungen berichtet worden, nachdem den Kranken eine Scheibe Scheiblettenkäse in den CD-Player geschoben oder der Hochtöner für 2000 Euro mit einem scharfen Fingernagel bekannt gemacht wurde. In akuten Fällen verbaler Audiophilieausbrüche können zur Linderung der Beschwerden auch ein paar Packungen Mullbinden oder starkes Klebeband eingesetzt werden.

[Bearbeiten] Weblinks


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10.2007
Sehr gut
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