Anglizismus

Aus Uncyclopedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Bad Design.jpg

Auch mit einem üblen Entwurf lässt sich good business machen.

„Das Selbstbewusstsein einer Nation zeigt sich in der Aufgeschlossenheit für die Aufnahme fremder Sprachen in die eigene.“

~ Oessemm über Anglizismen


[Bearbeiten] Etymologie und Abgrenzung

Anglizismen bezeichnen keine besessenen Berufsfischer oder verrückten Hobbyangler; auch haben Anglizismen nichts mit Freundschaft zu (Anglophilie) oder Angst vor (Anglophobie) allem Angelsächsischen zu tun. Vielmehr bezeichnet „Anglizismus“ einen übersteigerten Gebrauch angelsächsischer Lebensart – vor allem der Sprache. „Anglizismus“ steht daher in einer Wortkette zum Beispiel mit „Narzißmus“, „Meniskus“ und „Buddhismus“.

[Bearbeiten] Geschichte

Fast 1500 Jahre lang sprach man in Germanien in verschiedenen Dialekten plattdeutsch, und die damaligen Politiker in den Klöstern, fürstlichen Bischofsresidenzen und Domkapiteln frühitalienisch („Küchenlatein“). Luther und Gutenberg ist es zu verdanken, dass sich eine einheitliche deutsche Hochsprache entwickeln konnte, von der das Englische sich längst wegentwickelt hatte.

Mit dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV von Frankreich trat das Französische seinen Siegeszug im selbstbewussten Deutschland mit seinen ca. 41 gegenseitig verfeindeten Königreichen, Fürsten- und Herzogtümern an und wurde willkommen geheißen, weil es das Prekariat mit seiner Subsistenzwirtschaft ohnehin nicht interessierte. Friedrich II. (dem Großen) von Preußen wird nachgesagt, dass er besser Französisch als Deutsch sprach. Sogar Gesetzestexte und Verordnungen wurden in französischer Sprache verfasst, die kaum jemand lesen, geschweige denn verstehen konnte, weil es dem weitgehend analphabetischen Volk ohnehin gleichgültig war. Reminiszenzen daran sind heute noch Wörter wie „Portemonnaie“ (= „Trage das Geld“), „Souterrain“ (= „unterhalb der Erdoberfläche“) oder „Équipe“ (= Mannschaft).

Das 19. Jahrhundert wurde in weiten Teilen Deutschlands überschwemmt durch die Fremdsprache „Preußisch“. Dadurch wurden die Einflüsse des Küchenlatein und des Französischen verdrängt. Außerdem konnten dadurch landsmannschaftliche Dialekte des Kanonenfutters miteinander harmonisiert werden. Beispiele hierfür sind „zack, zack!“ für „voudraiz-vous avez le plaisir de faire...?“, „Formular 9-Dc 67 / f J8 benutzen – aber doppelt gefälligst!“ für „nur net hudle!“ oder „jawoll!“ für „schau'n wir mal“.

Dieser beklagenswerte Zustand hielt bis zum 7. Mai 1945 an. Das Deutsche war in sich erstarrt und damit das Selbstbewusstsein der Deutschen bis in die Reichsmark erschüttert.

Die von Hitler nach Deutschland eingeladenen Angelsachsen machten sich ab Mitte 1945 sofort mit dem NWDR, dem RIAS Berlin, dem AFBS und „Radio Caroline“ darüber her, die kompakte, festgetretene deutsche Sprache zu durchlüften wie ein Gärtner, der im Frühjahr sein Beet auflockert. Das fiel auf fruchtbaren Boden. Die Frage ist allerdings, ob daraus nicht mangels Pflege und Zurückstutzen Wildwuchs entstand.

Breakfast Launch.jpg

Schon zum Frühstück kann man die englische Sprache auf den Mond schießen.

[Bearbeiten] „Lübke-Englisch“

Der ehemalige Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke zeichnete sich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dadurch aus, dass er manchmal einen recht eigenwilligen Duktus der englischen Sprache pflegte. Er beförderte damit ein Verhunzen des Englischen durch ein Verdeutschen, an der sich Generationen von Gymnasiasten beteiligten und ergötzten. Beispiele:

  • „Das geht auf keine Kuhhaut“ – „This goes on no cow hide“ – (richtig: „It beggars description“)
  • „Das Ding ist gelaufen“ – „The thing has run“ – (richtig: „The goose is cooked“)
  • “Er ist mit allen Wassern gewaschen” – “He has been washed with all waters” – (richtig: “He’s up to every trick”)
  • “Ich wasche meine Hände in Unschuld“ – „I wash my hands in innocence“ – (richtig: „I wash my hands of it“)
  • "Sicherheitsnadel" - "Security needle" - (richtig: "Safety pin")
  • “Ich mache mich mir nichts, dir nichts, aus dem Staub” – “I make me me nothing, you nothing, out of the dust” – (richtig: “On the spur of the moment I buzz off”)
  • “Ich habe die Schnauze voll” – “I have the snout full” – (richtig: “I’m fed up”)
  • “Bitte sorge dafür, während ich fort bin.“ – Please trouble for it while I am a Ford“ – (richtig: „Please see to this while I am away“)

Mancher Englischlehrer beteiligte sich bereitwillig an dem Spaß und trug damit aus falsch verstandenem Selbstbewusstsein zu einer nachlässigen Rezeption des Angelsächsischen in Deutschland bei.

Umzugsshop.jpg

Ein Apostroph steht im Deutschen für eine Auslassung. Meist wird ein Buchstabe ausgelassen, manchmal auch eine Grammatikregel.

[Bearbeiten] Katastrophale Apostrophie

Dem Proll sein Wessen-Fall ist ein angelsächsischer. Wenn Schulabbrecher Hans nach seiner gescheiterten Karriere als Versicherungsvertreter mit einer Kneipe Schuldenmillionär werden will, nennt er sie vorzugsweise "Hans's Bar". Dabei wäre "Hanswurst" vielleicht treffender gewesen. Dem Erfindungsreichtum beim Verwenden eines Apostrophs sind ohnehin keinerlei Grenzen gesetzt. Immer häufiger sieht man den Genitiv-Dödel sogar vor dem Mehrzahl-S. Zum Beispiel in Berlin und Halle/Saale als Überschrift über Kiosken der Umlaut-Gastronomie "China Snack's" bzw. "Dürüm Döner's".

Auch die schleichende Genitivisierung des Dativs ist eine interessante Neuentwicklung z.B. an einer Kneipe namens Bei Schulzes‘. Ein Verwandter von Schulzes ist unzertrennlich mit dem oben genannten Hans befreundet und hat seine Apotheke daher „Schulze’s Apotheke“ getauft. Wie der an seine Lizenz gekommen ist, obwohl die Abitur und Studium voraussetzt, ist nicht bekannt. Auch nicht von „Müller’s Hausmacher Wurst“ aus Ebstorf in der Lüneburger Heide. Gediegener Blödsinn regiert auch bei „Meier’s Weltreisen“ getreu dem Motto „Wenn wir schon die Sprachen panschen, wollen wir wenigstens die Welt kennen lernen“.

Was man auf Visitenkarten im Geschlechts Geschäftsverkehr findet, beschreibt jede Verspottung. Die Aushilfstippse nennt sich „Assistant’s Secretary“, also die Sekretärin der Hilfssekretärin, und der Geschäftsführer einer Drei-Mann-Computerklitsche mit nur halb eingezahltem Stammkapital „Chief’s Executive Officer“, also der Ausführende des Häuptlings – mit anderen Worten der Befehlsempfänger. Von wem eigentlich als Geschäftsführer?

Hauptsache Apostroph. Denn das soll selbstbewusst-international, weltläufig und (ein)gebildet wirken. Auf Sprachästheten dagegen wirkt es lächerlich, arrogant und irgendwie hartzig.

Undefined-4872.jpg

Im Geschäftsleben ist ein gut gesetzter Anglizismus geradezu ein Must.

[Bearbeiten] Anglizismen - Grund der globalen Finanzkrise?

Bei einer Informationsveranstaltung der Abteilung „Investment Banking“ der Dresdner Bank AG namens „Dresdner Kleinwort Wasserstein - Frankfurt – London – New York“ im Jahr 2005 schrieb der Verfasser folgende Äußerung eines international tätigen, soeben aus Singapur eingeflogenen Referenten wörtlich mit: „Der take-over von xyz (Firma) durch abc (Firma) sollte friendly erfolgen, aber die charts erlaubten nicht genügend margin aus der transaction, so dass die stock value durch financial inputs downgesized werden musste und abc danach als white knight einen bail-out performen konnte.“

Wer solche Geschäftsfreunde hat, braucht keinen Englischlehrer mehr. Aber gesunden Menschenverstand, weil Alarmstufe „rot“ angesagt ist.

Begriffe wie swap, cap, floor, collar, swaption, cross-border-leasing, spread, step-ladder-swap und andere Anglizismen aus der Folterwerkstatt gieriger virtueller Zocker feierten bis zum Zusammenbruch der Gebrüder Lehmann Mitte September 2008 und des übrigen amerikanischen Banken- und Versicherungssystems samt der meisten deutschen Hypotheken- und Landesbanken fröhliche Urständ. Darauf fielen sogar serienweise Kämmerer deutscher Kommunen mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen herein. Denn wenn z.B. die Deutsche Bank AG einem hauptschulabschlussbewehrten kommunalen Schatzmeister die moderne Finanzwelt mit Anglizismen erklärte, kriegte der schnell Dollarzeichen in die Augen und schlug zu, weil natürlich alles ein Super-Sonderangebot war und nur noch wenige Stunden galt. So ist z.B. der Großstadt Hagen/Westfalen laut Medien ein finanzieller Schaden von zwischen € 39.000.000 und € 57.000.000 entstanden (Quelle: manager-magazin.de). Und die Geschäftsführung der Wasserwerke Leipzig hat beim Absichern riskanter cross-border-leasing-Geschäfte gar bis zu € 290.000.000 Bremsspuren im Stadthaushalt hinterlassen (Quelle: freiepresse.de).

Der Kämmerer bevorzugte Lieferquellen Aldi, ver.di und „Das Kapital“ von Karl Marx schützen eben nicht immer vor dem Einschalten und dem Gebrauch des eigenen Gehirns, und vor Gericht gilt die Ausrede nicht „Ich habe das alles gar nicht verstanden, also habe ich es vorsichtshalber unterschrieben“. Die Leid tragenden sind weltweit die betroffenen Bürger durch ein Einschränken öffentlicher Dienstleistungen, für die sie nun als Belohnung eigener Unfähigkeit der richtigen Wahl erhöhte Steuern bezahlen.

Paymentkarte.jpg

Mit der richtigen Sprachmischung macht das Bezahlen gleich mehr Spaß.

[Bearbeiten] Kultur und Medien

Immer, wenn man Sat.1 schaut, wird man zu „colour your life!“ aufgefordert. Man soll also sein Leben auf ein Bügelbrett legen und es z.B. mit Ostereierfarben bunt gestalten. Die Gebrauchsanleitung dazu fehlt allerdings. „We love to entertain you“ von der Konkurrenz ist die harmlosere Variante, denn irgendwie erscheint es einem logisch, dass man vom Fernsehprogramm bespaßt werden soll. „Charme & Anmut“ wirbt ja auch nicht mit dem Spruch „Wir verkaufen ihnen gern unsere Klamotten“, weil das die Krönung der Plattitüden wäre und daher als hilflose Lachnummer empfunden würde.

„Night Loft“ als Fernseh-Programmplatz kann alles zwischen „nächtlicher Taubenschlag“ und „Dachboden bei Nacht“ bedeuten. Es klingt luftig und unbeschwert, also schauen wir manchmal interessiert in diesen Teil des Fernsehgebäudes, der natürlich im Keller liegt.

„Block Buster“ bezeichnet im Englischen eine Bombe oder anderweitigen Sprengsatz, der einen Häuserblock oder eine bebaute Straßenzeile in Sekundenbruchteilen zerkrümelt. Was das als Werbung für Fernsehfilme taugt, sollte einmal von den Verantwortlichen des Senders näher erläutert werden, die stets darauf bedacht sind, sogar Quoten-Neger und – Knackis in ihren irrwitzigen Pseudo-Realitäts-Sendungen für Hausfrauen und Jugendliche nach der Schule auftreten zu lassen.

Wer kennt den „Catwalk“, also „Spaziergang der Katzen“, nicht, auf dem sich bulimische, im Knochengerüst vom unmittelbaren psychischen und physischen Zusammenbruch bedrohte Modellathletinnen der erschütterten Öffentlichkeit in teurem Fummel präsentieren? Die „After-Show-Party“ kann wegen der Sprachpanscherei zwischen Deutsch und Englisch jedoch erst dann zutreffend übersetzt werden, wenn bekannt ist, ob nicht Wowereit, Westerwelle oder von Beust daran teilnahmen.

Es gibt in Deutschland kaum noch Veranstaltungen. Sie wurden nämlich durch „Events“ verdrängt. Diese allerdings sind allgegenwärtig und erfordern selbstredend einen „Manager“, eine „Location“, ein „Ticketing“, ein „Marketing“ und ein „Catering“. Ohne "Equipment", „Security“, „Parking“ und „Stage“ samt „Back Stage“ sowie „Sound“ und „Illumination“ läuft da gar nix. Wenn man das alles ins Deutsche übersetzte, würde man vermutlich als Neonazi in U-Haft genommen, weil den meisten Landsleuten bereits das Gefühl für manche ursprüngliche Wortfindung der deutschen Sprache verloren ging.

Das Verbotszeichen "no smoking" an der Eingangstür zu einem deutschen Ballsaal wirkt ebenfalls etwas irritierend, zumal das Herren-Kleidungsstück "Smoking" im Englischen "Dinner Jacket" genannt wird.

Was ist eigentlich ein „casting“? Der Begriff stammt aus der Ingenieurswissenschaft und bedeutet ursprünglich „Gussform/Abguss“. Im Angelsächsischen hat er sich auch zur „(Rollen)Besetzung“ weiter entwickelt. Muss man das deshalb ins Deutsche übernehmen?

Treffpoint.jpg

Meeten wir uns am Treffpoint.

[Bearbeiten] Verkehr

Manchmal hat man das Bedürfnis, sich auf deutschen Flughäfen oder Bahnhöfen mit anderen Leuten zu verabreden. Als Treffpunkt vereinbart man üblicherweise einen extra ausgezeichneten „Meeting Point“, bevor man (auf Flughäfen) zum „Gate“ in „Terminal xy“ geht, um zu „boarden“ und "row" und "seat" zu entern, anstatt zum Tor in Abflughalle xy, um einzusteigen und Reihe und Sitzplatz zu suchen. Als Berlin-Tempelhof vor 75 Jahren noch der größte Flugplatz der Welt war, gab es diese englischen Begriffe im Sinnzusammenhang noch gar nicht.

Wenn man dem Signal „P & R“ (= „Park and Ride“) folgt, findet man nach Abstellen des PKW mitnichten einen Reiterhof vor. Man hätte die Fläche aber auch als „Pendlerparkplatz“ (z.B. „PP“) bezeichnen können.

Besonders die Deutsche Bahn ist von grassierendem Anglizismus befallen, weil sie dadurch auf gelehrt wirkende und Ehrfurcht gebietende Weise von ihrem Totalversagen im technischen Bereich abzulenken vermag. „Kiss & Ride“ als Aufforderung zum Autosex auf dem Bahnhofsvorplatz ist ein Beispiel dafür. Wer könnte darüber hinaus „Rail & Fly“ widerstehen? „Zug und Flug“ wäre dafür nämlich viel zu griffig und nahe liegend. Was hingegen unter „Touch & Travel“ zu verstehen ist, erschließt sich dem geneigten Analysten der Angebote der DB nicht sofort. Von „Call-a-Bike“ über „CarSharing“ und „Rail Navigator“ bis zu „Widgets für Google und Windows“ sowie „Anreisebutton für ihre Homepage“ erfüllt die Deutsche (wohlgemerkt: DEUTSCHE!) Bahn auf ihrer Internet-Seite sämtliche Klischees eines hilflosen weltweiten Spielers, dem die Interessen der Kunden im Heimatland piepegal sind. Natürlich kann man darüber online einen newsletter erhalten, in dem der CEO sich ständig selbst auf die Schulter klopft.

Bei den deutschen Tankstellen sieht es jedoch nicht viel besser aus. Hier eine kleine Auswahl von semantischen Vergewaltigungen der deutschen Sprache durch – meist verquere – Anglizismen: LubeMatch, select, Job Search, Match Attax, Wash & Drive, Your Cup, Super Snack Fitness, targetneutral, News2u...

Der Begriff „News2u“ von Exxon-Mobil ist dabei besonders interessant. Er soll „news to you“ (= „Nachrichten für/an dich“) suggerieren, muss aber als „news two you“ ausgesprochen werden, was, korrekt übersetzt, „Nachrichten zwei dir“ oder „Nachrichten zwei dich“ bedeutet.

Fossil store.jpg

Wer ausschließlich deutsch spricht, gilt heute nur noch als Fossil.

[Bearbeiten] ESSO und der sprachliche Sondermüll

Auszug aus dem Internet-Auftritt von ESSO Deutschland:

Warum heißt das Tankstellenkonzept "On the Run" eigentlich "On the Run"? "On the Run" ist ein neues Konzept von Esso, das international zum Einsatz kommt, und in Deutschland gerade seine Premiere hatte. In der dreisprachigen Schweiz, Irland und Norwegen wurde es bereits erfolgreich unter diesem Namen eingeführt...
 

Der sich langsam durch Anglizismen gequält fühlende, mittelmäßig gebildete Deutsche weiß aber, dass „on the run“ nichts anderes heißt als „auf der Flucht“. Auf der neuen A 17 von Prag nach Dresden, gleich hinter Aussig an der Elbe im Sudetenland, wenige Kilometer vor der deutschen Grenze, kann man der tatsächlich so bezeichneten Raststätte etwas schaudernde Geschichte abgewinnen und bringt es mit der Häme der Tschechen über die Vertreibung der Sudetendeutschen 1945 in Verbindung. Aber flächendeckend europa- oder gar weltweit? Ist man also stets auf der Flucht, wenn man einen ESSO-Laden betritt und muss sich daher beeilen, ihn wieder zu verlassen?

Und wenn es jemand wagen sollte, sich über die Internetseite von Esso dort um eine Anstellung zu bewerben, trifft er auf Formulierungen wie zum Beispiel "Online bewerben in unserem Recruitment Career Information Center". Das ist besonders spannend, denn offensichtlich gibt es bei Esso ein Informationszentrum für Anwerbungslaufbahnen. Was darf man sich denn unter einer "Anwerbungslaufbahn" vorstellen? Diese Frage ist allein deshalb berechtigt, weil es den Begriff "recruitment career" im Englischen nicht gibt.

Hier offenbart sich das Scheitern zehnmalkluger Werbestrategen an deren Willen, unbedingt eingängige Anglizismen dem auf Biegen und Brechen entleerten Sinngehalt der gewählten Formulierung überzuordnen. Das ist lächerlich und belegt einen beklagenswerten Mangel an Fremdsprachenkenntnis und Sprachgefühl. Es ist Ausdruck grassierender Oberflächlichkeit und Beliebigkeit.

Back Factory.jpg

Was alles geht! Heute kann man sich sogar in der Fabrik einen neuen Rücken anfertigen lassen.

[Bearbeiten] Anglizismen im übrigen Alltag

Dass ein „Glanzlicht“ längst erloschen und eine „Eintrittskarte“ oder „Fahrkarte“ wertlos ist, wenn man sie nicht als „Highlight“ oder „Ticket“ bezeichnet, daran hat man sich gewöhnt. Man geht ja schließlich nicht mehr einkaufen, sondern „shoppen“, und auch nicht zur Arbeit, sondern „jobben“, um abends die „daily soap“ genervt „wegzuzappen“. Man kümmert sich um „beauty“ und „wellness“, und geht ein bisschen „joggen“, „partying“ oder „dating“. Das ist nämlich "cool" und "hip".

Wenn man „coffee to go“ liest, fragt man sich unwillkürlich, ob in Togo überhaupt Kaffee geerntet wird. Beim zweiten Denken versteht man die semantische Vergewaltigung und fragt sich, was es bedeuten soll, „Kaffee zum Gehen“ zu kaufen, weil man üblicherweise seinen Kaffee im Sitzen, allenfalls im Stehen genießt. Offensichtlich soll man aber den Kaffee mitnehmen und gefälligst aus dem Etablissement verschwinden. Oder ist es einfach nur ein Warnhinweis: „Kaffee zum Weglaufen“?

Mit dem englischen Abkürzungswirrwar im Telefonie- und sonstigen Kommunikationsbereich kommt ohnehin kein Normalsterblicher mehr klar. Wer kann schon etwas mit z.B. „blue ray“ (= „blauer Strahl“), „HDTV“ (= Hochauflösendes Fernsehen / „High Definition Television“), „DVB-T“ (= Terrestrisches Fernsehen / „Digital Video Broadcast – Terrestrial“), „UMTS“ (= „Universal Mobile Telecommunications System“) oder „HSDPA“ (= High Speed Downlink Packet Access“) anfangen? Allein "sms" für "short message system"/Kurznachrichtsprogramm erscheint einigermaßen nachvollziehbar.

Bei der Deutschen Telekom ist es nicht besser. Auf deren Computerseite wird man u.a. begrüßt mit „Ideale Tuning-Suite“ und „WinZip 14 Pro: Jetzt für Windows 7“.

Auf der (deutschen) Internet-Eingangsseite von Siemens lernt man, Knöpfe u.a. für „Siemens Integrity Initiative“, „Corporate Responsibility“ sowie „Erfolg durch Diversity“ zu bedienen. Dass man sie auch mit „Glaubwürdigkeit“, „Verantwortung“ und „Erfolg durch Vielfalt“ hätte bezeichnen können, wäre den Werbestrategen sicher im wahrsten Wortsinn zu billig gewesen. Auf der französischen Internetseite von Siemens heißt die „Corporate Responsibility“ hingegen „Responsabilité d’Entreprise“. In Frankreich kommen Anglizismen nämlich nicht gut an.

Merkwürdigkeiten gibt es selbstverständlich auch in den ungebrauchten Bundesländern. Zum Beispiel im Ostdeutschen den „Dispatcher“ als Bezeichnung für einen arbeitslosen leitenden Angestellten und „Broiler“ als Gattungsnamen für ein fleischarmes Brathähnchen.

Auf der (deutschen) Internet-Eingangsseite von Rheinmetall liest man u.a. „One step ahead ... Automotive und Defence“. Es gibt diese Präsentation aber auch für Großbritannien, Nordamerika und die übrige englischsprachige Welt. Dort heißt es „One step ahead ... Automotive and Defence“. Wer so einen Internet-Auftritt mit Zermantschen und Verpanschen der deutschen mit der englischen Sprache zustande bringt und absegnet, sollte sich ein Kanonenrohr vom Leo 2 in den Allerwertesten schieben. Ganz tief.

Man muss nicht unbedingt „kinetic design“ à la Ford lieben, um die „difference“ zu „feelen“. Man fühlt eigentlich nur ein Überschwemmen mit Anglizismen zu Lasten der deutschen Hochsprache anstatt einen kinetischen Entwurf.

Der Reiseveranstalter Nueva Vista bietet nicht nur Abenteuertouren in Armenien, sondern auch abenteuerliche Esskultur an. Er beschreibt nämlich seine täglichen Wanderungen durchs Gebirge u.a. bezüglich Mittagsrast wie folgt: "Lunch und Mittagessen wird gereicht." Man möchte bei so etwas gern ausrufen "Heiliger Sankt Nikolaus!"

Christbaum Center.jpg

Manche Schüler sind heute schon verblüfft, dass das Wort "Center" auf englisch auch "Center" heißt.

Der Weltkonzern Bayer bietet einen Internet-Auftritt sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache an. Der deutsche Teil trägt die Überschrift „Bayer: Science for a better life“. Ein Leitsatz wie z.B. „Forschung für ein besseres Leben“ wäre wohl zu preiswert gewesen. Die englischsprachige Bayer-Seite ist überschrieben mit – man ahnt es kaum! – „Bayer: Science for a better life“.

Im www-Zeitalter kam vor gut zehn Jahren der Begriff "flat rate" auf. Er bezog sich auf das "Surfen" (zu Deutsch: Wellenreiten) im Internet, später auch auf die Telefonie. Hemmungslos breitete sich dieser Virus bis hin zu "Flat Rate Saufen" in Deutschland aus und zeitigte sogar bereits Tote. Dabei bietet die deutsche Sprache seit Jahrzehnten aus dem Steuerrecht den eingängigen Begriff "Pauschbetrag" oder "Pauschale" an.

Wie der Begriff "Handy" für ein Funktelefon ins Deutsche gelangte, ist noch nicht geklärt. Im Englischen ist er jedenfalls unbekannt. Es wird gemutmaßt, dass eine Oma im Schwäbischen einen Nachbarn mit dem neu erworbenen, bekanntermaßen schnurlosen Funktelefon sah und ihn fragte: "Ach, hän die koi Schnur?"

Auf der deutschen Internetseite der sympathischen Kleinstadt Hannover kann man zunächst zwischen „English“ und „More Languages“ wählen. Dezent eingestreut ist eine Werbung der Firma „Sofa Loft“, also „Sofa im Taubenschlag“. Es gibt aber auch „Quicklinks“ zu verschiedenen Themen, sowie Knöpfe z.B. für „Hannover Map“ „Hannover Nightlife“, „Late-Night-Shopping“ und „E-Government“. Natürlich sind da auch „Video-Podcasts“ und der unvermeidliche „Newsletter“. Man fühlt sich also sofort an Themse und Hudson heimisch. Eigentlich sucht man nur einen Stadtplan vergeblich...

Der Name der chemischen Keule „Calgonit“, Allzweckwaffe in allen Spülmaschinen, ist nun nicht mehr modern genug. Es muss etwas Anderes sein. Zum Beispiel „finish“. Man ist zunächst geneigt zu denken, dass in diesem Wort ein „N“ und ein „C“ fehlt. Aber Finnland hat ziemlich wenig mit Spülmaschinen zu tun. Also soll das bewährte und gut am Markt eingeführte Kunstwort „Calgonit“ durch das englische „finish“ ersetzt werden. „finish“ bedeutet so ziemlich alles zwischen „den mache ich fertig!“ und „zu einem glänzenden Abschluss bringen“. Hier haben wir es demnach erneut mit Beliebigkeiten und dem latenten Hang nach Bedeutungslosigkeit zu tun.

Der Hersteller von „Calgonit“ -> “finish“ hat sicher Kunstwortschöpfungen wie z.B. „Cillit Gang Bang“ oder „Vanish Oxy Action“ oder „Vanish Intelligence Plus“ im Sinn, um zum Verunmöglichen einer Übersetzung einen weiteren Puzzlestein hinzuzufügen.

Einkaufpoint.jpg

Ein Einkauf beim Point und der Tag ist dein Freund!

[Bearbeiten] Missverständnisse

Die witzige englische Wortspielerei von Groucho Marx „Time flies like an arrow, fruit flies like a banana“ („Die Zeit fliegt wie ein Pfeil; Fruchtfliegen mögen eine Banane“) ist ins Deutsche nicht übersetzbar, ohne den Witz zu verlieren. Dennoch versuchte sich ein Redakteur eines namhaften deutschen Nachrichtenmagazins daran. Heraus kam dabei „Die Zeit fliegt wie ein Pfeil, Obst fliegt wie Bananen“. Es ist nicht bekannt, ob ihm daraufhin das Englisch-Abitur aberkannt oder er in eine Klapsmühle eingeliefert wurde.

Dieser Fall ist symptomatisch für die Rezeption des Englischen in der deutschen Sprache. Gierig wird aufgesogen und verquer zerpanscht, was angelsächsisch klingt.

Wie oft hat man während der globalen Finanzkrise in den Medien die Übersetzung der angelsächsischen „billion“ in „Billionen“ erlebt, anstatt zutreffend „Milliarden“ zu nehmen?

Immer wieder gern genommen wird der neumodische Rucksack (Felleisen) aus Plastik-Textilien, der neuhochdeutsch "body bag" genannt und auch z.B. bei ebay so beworben wird, damit es für die kiddies interessant klingt. Im Englischen heißt "Rucksack" aber entweder "rucksack" oder "knapsack". Ein "body bag" ist im Englischen hingegen ein "Leichensack".

Wie oft hat man den englischsprachigen „chemist“ im Deutschen als „Chemiker“ gelesen, obwohl es eigentlich ein „Apotheker“ ist?

Wie oft hat man den englischsprachigen „physician“ mit „Physiker“ übersetzt, obwohl er ein „Arzt“ ist?

Wie oft hat man das englische „comfort“ schon mit „Bequemlichkeit“ und „Behaglichkeit“ in Verbindung gebracht, obwohl es vor allem „Trost“ und – in zusammengesetzter Form von „comfort station“ – „öffentlicher Donnerbalken“ bedeutet?

Dass „closet“ kein Klo ist, sondern ein Wandschrank, kommt bei den Missverständnissen auch gern einmal vor. Und wenn man einen Gastgeber fragt, ob man seinen „bathroom“ benutzen darf, meint man natürlich nicht zu Baden, sondern das Klo.

Nutzlos zu erwähnen, dass „fabric“ keine Fabrik, sondern ein (Textil-)Gewebe, und „godfather“ nicht „Gottvater“, sondern nur ein Pate ist. Und der „minister“ ist kein Minister, sondern ein Pfarrer. Zumindest in den USA, wo ein Minister „secretary“ heißt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man in deutschen Gazetten manchmal über den „secretary of state“, also den Außenminister der USA, „Staatssekretär“ liest.

À propos Pfarrer: Ein „preservative“ ist keine Lümmeltüte, sondern ein Konservierungsmittel.

In der zweiten deutschen Eishockeyliga spielen die „Fischtown Pinguins“ aus Bremerhaven. Man glaubt, diesen Ausdruck auf Anhieb zu verstehen und als semantisch „richtig“ zu bewerten. Weit gefehlt: „Pinguins“ ist ein Kunstwort wie z.B. von Opel der „Zafira“ oder von Toyota der “Avensis“ oder der „Corolla“; denn entweder hätte es „Pinguine“ heißen müssen, oder – in der englischen Sprache zutreffend – „Penguins“. Sollten die Fischköppe aus Bremerhaven allerdings irgendwann einmal deutsche Champignons im Eishockey werden, könnte „Pinguins“ oder „Fischtown" – wie „Zafira“ und „Avensis“ und „Corolla“ – zu einem Neologismus mutieren. Das sind Wörter, die es nicht gibt, aber sich langsam einbürgern, wenn sie oft genug in aller Munde sind.

Ähnliches trifft für den besonders bei Jugendlichen gängigen Begriff „looser“ für „Verlierer“ zu. Das Missverständnis beruht bei genügender Viertelbildung der Benutzer auf der irrigen Annahme, ein lang gesprochenes „u“ im Englischen müsse zwangsläufig als Doppel-o geschrieben werden wie z.B. bei „goose“ (Gans), „moose“ (Elch), „booze“ (Schnaps) oder „boobs“ (Titten). Ein „Verlierer“ ist jedoch ein „loser“, obwohl das Einfach-o ebenfalls als langes „u“ ausgesprochen wird. Dumm gelaufen für die chaos kids in ihrer desaster area mit ihrem ghetto blaster...

Berühmt ist außerdem das Missverständnis, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs von deutschsprachigen Übersetzern zur Grundversorgung der deutschen Bevölkerung aus Nordamerika „(Voll)Kornbrot“ mit „corn bread“ angefordert wurde. Daraufhin wurde in großem Umfang aus Mais gebackenes Brot nach Deutschland geliefert, weil Mais in der Neuen Welt „corn“ heißt.

Wie viele Millionen deutscher Touristen in Nordamerika haben die Limonaden „root beer“ und „ginger ale“ bereits mit „Bier“ im landläufigen deutschen Sinn verwechselt?

[Bearbeiten] Idiome

Ein Besinnen auf die Ausdrucksstärke der deutschen Sprache erscheint manchmal geraten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bereits englische Idiome Einzug in das Deutsche gehalten haben wie z.B. „it makes sense“ -> „es macht Sinn“, anstatt „es ist sinnvoll“.

Ein weiteres Beispiel ist „Ich denke, dass...“. Damit gibt der Benutzer zu erkennen, dass er etwas sehr Wichtiges zu sagen gedenkt, indem er plötzlich und unerwartet sein Hirn einschaltet. Diese Floskel gab es bis vor wenigen Jahrzehnten im Deutschen nicht, weil sie aus dem Englischen importiert wurde. „I think...“ bedeutet jedoch dort so viel wie „Ich glaube...“ oder „Ich bin der Auffassung...“. „I think…” ist ein semantisch schwächeres Synonym für „To my mind...“ oder „I am of the opinion...“. Wenn vorzugsweise ein deutscher Politiker einen Satz mit “Ich denke…” einleitet, herrscht stets höchste Alarmstufe, weil er mit dieser anglizistischen Floskel vorgibt, Umstürzlerisches im Programm der eigenen Partei zu erwägen und bereitwillig auszuplaudern, alternativ eine längst bekannte Sau durchs Dorf zu treiben, um sich wichtig zu machen.

Sehr amüsant ist immer wieder, beim Beschreiben des Seemannslebens auf einem Schiff, von dem berühmt-berüchtigten „Davy Jone’s Locker“ als „Davy Jone’s Spind“ als Büchse der Pandora in einer Kajüte mit Spindfotos von Pirelli oder anderem Schweinkram zu lesen. Dabei handelt es sich bei der englischen Formulierung jedoch schlicht und einfach um den Meeresboden, auf den ein Schiff oder Seemann geschickt wurde/wird.

Das englisch-amerikanische Idiom "at the end of the day..." hat in die deutschen Chefetagen multinationaler, börsennotierter Betrügersyndikate mit "am Ende des Tages..." erfolgreich Einzug gehalten. Die englische Formulierung bedeutet schlicht "letzten Endes", wird jedoch im Deutschen gern auf Aktionärsversammlungen und in TV-Gesprächsrunden zum wortreichen Verbrämen der Gründe für selbst verschuldet weit verfehlte Unternehmensziele missbraucht, um die Zuhörer für dumm zu verkaufen, indem ihnen so eine Art Götterdämmerung vorgegaukelt wird. Richard Wagner war ja schon immer bewährt für überwältigende Überraschungen. Insoweit ist jeder, der das Idiom "am Ende des Tages..." benutzt, so eine Art Meistersinger.

[Bearbeiten] Ausblick

Die deutsche Sprache erscheint nach den Nachhilfejahrzehnten durch die Rheinarmee und Elvis Presley in ihrer Globalisierung mittlerweile selbstbewusst und tolerant genug, sowie gut durchlüftet. Daher wäre ein Entrümpeln angebracht, damit die Angelsachsen sich nicht zunehmend mit in Deutschland entstandenen pseudo-englischen Wortschöpfungen auseinanderzusetzen brauchen, die sie nicht verstehen. Dies, zumal Angelsachsen nur fünf deutsche Begriffe in ihre Sprache integrierten: „Panzer“, „Goethe“, „Stuka“, „Blitzkrieg“ und „Tokio Hotel“. Einer fehlt noch: "Kindergarten"

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Dieser Artikel ist Artikel der Woche 08/2010
Dieser Artikel ist
Dieser Artikel istArtikel des Monats Februar 2010
Dieser Artikel ist
Artikel des Monats Februar 2010
Spezialprojekte
In anderen Sprachen
projects